Trampen in Patagonien

Mein geliebter Freund ist ja für seine verrückten Ideen bekannt, aber diesmal hat er es auf die Spitze getrieben. Er hatte sich in den Kopf gesetzt unsere nächste Strecke tatsächlich mit Trampen zu meistern. Wir reden hier nicht von 50 km sondern von 1500 km. Ja, Argentinien ist nicht gerade das kleinste Land und ich muss gestehen, dass die Buspreise einem die Tränen in die Augen jagen. Da haben meine Argumente nicht lange standgehalten. Aber muss es denn gleich Trampen sein, mit Campen kann ich mich ja anfreunden, wer braucht schon ein warmes und weiches Bett, aber Daumen raus und hoffen, dass jemand anhält, ist schon eine andere Stufe. Aber jegliches Zappeln, Nörgeln und Strampeln half nichts. Da musste ich wohl durch, denn Sven wollte einfach nicht von seiner Idee ab. Mit schlechter Laune und gesenkten Kopf ging es also los. Vom Campingplatz ging es gleich los. Nach dem fünften Auto hielt auch wirklich jemand an. Die ersten Meter zum Zwischenziel Tankstelle waren geschafft. Dort angekommen, malte ich dann schon mal widerwillig unser Schild: „Visitamos Argentina. Somos de Alemania. USHUAIA“ („Wir besuchen Argentinien. Wir kommen aus Deutschland. USHAIA“). Mit Herzklopfen stellten wir uns an die Schnellstraße. Ich präparierte mich für eine lange Wartezeit und legte die erste Schicht Sonnencreme auf. Sven positionierte sich gekonnt am Straßenrand und promt beim ersten LKW hatten wir Glück. Denn er nahm uns gleich mit. Spiel, Satz und Sieg. 500 km ging es mit ihm durch die Lande. Marcelo war ein perfektes Bild eines Argentiniers. Mate trinken und nuscheln wie es nur die Experten können. Wir waren überglücklich, dass wir soviel Anfängerglück hatten. Und ich war froh, dass Svens Idee anscheinend gar nicht so schlecht zu sein schien. Ich muss meine Vorurteile was Trampen angeht, wohl hinter den nächsten Berg bringen. In Comodoro mussten wir leider dann doch eine kleine-große Strecke mit dem Bus machen. Dort kümmerte sich ein Ingenieur väterlich um uns und führte uns sogar zum Bahnhof.

Nach einer Nacht im Bus hatte Sven kein Erbarmen mit mir und es ging gleich weiter mit dem Trampen. Und nach dem wir fast schon die Hoffnung aufgegeben hatten, hielt tatsächlich ein Truck, voll mit Bier. Großartig. Was uns etwas zweifeln ließ, war das Gewehr in seinem Cockpit. Es stellte sich jedoch raus, dass der Trucker in Buenos Aires lebt und das nicht gerade das sicherste Pflaster ist. Er war hingegen eine Freundlichkeit in Person. Während er Empanadas und Trinken für uns kaufte, überließ er uns sogar den LKW bei laufendem Motor. Anscheinend sehen wir aus, als ob wir keiner Fliege was zu leide tun könnten. Unser Glück, denn auch nach dieser Tour, bestückt mir zwei Bier aus dem Biertruck, haben uns zwei Schilderüberprüfer bis kurz vor Ushuaia mitgenommen. Kurz vor dem Ende der Welt war dann aber unser Glück ausgeschöpft und die letzten 100 km ging es mit Bus weiter. Drei Tage, 1500 km später sowie 200 Euro gespart, waren wir endlich an unserem Ziel. Und ich muss gestehen, dass es eine großartige Erfahrung war. Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach wäre. Manchmal muss man sich einfach trauen.

Andrea

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s