Potosí

Ein Besuch in der hoechstengelegenen Stadt der Welt (4070m), offenbart frueheren und heutigen Glanz genauso wie frueheren und heutigen Schrecken. All das ist eng verbunden mit den Silberminen des Cerro Rico. 1545 gruendeten die Spanier die Stadt deren Floezen sich als die lukrativsten der Welt entpuppten. Ende des 18. Jahrhunderts wuchs Potosi zur groessten und reichsten Stadt Lateinamerikas und bildete mehr als 200 Jahre die Stuetze der spanischen Wirtschaft. Noch heute kann man den Glanz vergangener Tage vielerorts sehen.

Millionen Sklaven aus Suedamerika und Afrika wurden unter furchtbaren Bedingungen zur Arbeit in den Minen gezwungen, Millionen bezahlten dies mit ihrem Leben. Noch heute arbeiten 12.000 Leute in den Minen, darunter auch unzaehlige Kinder, unter menschenunwuerdigen Bedingungen. Zwar sind die Silberminen groesstenteils erschoepft, doch nun wird nach weiteren Mineralien gesucht. Ohne Einsatz von Maschinen, werden in muehsamer Arbeit Gesteinsmassen aus dem Berg geholt. Dabei gibt es fuer die Kooperativen – ein Zusammenschluss privater Arbeiter – ca. 70 Euro fuer eine Tonne Gestein. Aus diesem Gestein werden schlussendlich nur 3kg minderwertigen Silbers gefoerdert, welches in den zahlreichen Fabriken der Stadt aus den Gesteinsmassen herausgearbeitet wird. Alkohol, Kokablaetter und Nikotin sind die einzigen Mittel, die die Bolivianer einsetzen koennen, um die Stunden unter Tage zu ueberstehen. Vielen ist aufgrund von Staublungen, Erkrankungen durch Asbest und erhoehtem Alkoholkonsum ein kurzen Leben beschienen. Zwar liegt das Durchschnittsalter in den Minen bei ca. 54 Jahren, jedoch fallen viele der Arbeiter den Folgen dieser Arbeit bereits nach 20 Jahren zum Opfer.

Wir nutzten die Zeit, um uns einer Tour in die Minen anzuschliessen. Bestandteil der Tour war ein Besuch auf dem sogenannten „Miners market“, auf dem die Touristen Koka-Blaetter, 96%igen Alkohol oder Sprengstoff als Geschenk fuer die Miner holen koennen. Selbst an einem arbeitsfreien Sonntag wie bei uns, waren die Bedingungen erschreckend. Von oben hangen die Asbestkristalle nach unten, die Luft war trotz Atemmaske und ohne arbeitende Menschen zum schneiden duenn und selbst die kleinen Bolivianer muessen sich bei teilweise 50×100 cm kleinen Gaengen schon ganz schoen durchquetschen. Viele der Touristen entschliessen sich nach dem Besuch, selbst fuer eine Woche oder mehr in der Mine zu arbeiten. Die meisten muessen den Bedingungen geschuldet bereits nach 2-3 Tagen aufgeben.

Sven

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