Santiago de Chile / Valparaiso

Von Santiago de Chile hatten wir uns nicht viel versprochen. Reisende, die wir unterwegs getroffen hatten, waren eher wenig begeistert von der Stadt. So kamen wir dort hin und nächtigten bei einer Bekannten von Sven. Sven hatte die Chilenin Nancy in Finnland kennen gelernt und sie hat uns für unsere letzten Tage in Südamerika zu sich eingeladen. Dankend nahmen wir ihr Angebot an und fielen vollkommen übermüdet von der nächtlichen Busfahrt in ihr herrliches Bett. Von der Stadt selbst waren wir dann positiv überrascht: sauber, lebendig und irgendwie modern schön. Man kann echt nicht auf andere hören. Und so schlenderten wir in den paar Stunden, die wir hatten, fröhlich durch Santiago.

Nancy stellte uns auch gleich ihren Freunden und Nachbarn vor und bei einer guten Melonenbowle hatten wir auch interessante Gespräche über Gott und die Welt. Hier haben wir beide wieder festgestellt, wie sehr wir Deutschen doch in unserer eigenen Blase leben. Denn wie viel alle über Europa, Deutschland und die Welt wussten, war wirklich beeindruckend. Wir Deutsche, uns eingeschlossen, haben da schon Probleme den Präsidenten von Chile zu benennen. Oder wusstet ihr etwa das Argentinien und Brasilien von Frauen, Bolivien von einem Indigenen, Venezuela von einem, von den Amerikaner als Diktator bezeichneten, aber vom Volk geliebten, Präsidenten und Uruguay von einem Blumenzüchter regiert werden? Wenn ja, habt ihr eure Sache gut gemacht, wenn nicht seid nicht traurig, denn ein Blick in die Zeitungen Deutschlands zeigt, dass der Tellerrand noch lange nicht erreicht ist. Sicherlich eine harte Kritik, aber nachdem Gespräch waren wir einfach buff, denn sie wussten sogar, dass unser Außenminister und der Bürgermeister von Berlin schwul sind und Merkels Mann sich nicht in der Öffentlichkeit zeigt. So und wie war nochmal der Name des Chilenischen Präsidenten? Tja und in Deutschland? Ich stelle mir in vielen Familien solch ein Gespräch vor: Schlagzeile in den Nachrichten: Die Demokratie in Mali liegt am Boden. „Schatz, wo liegt nochmal Mali? – Hmm, ich glaube irgendwo in Asien, oder war es Afrika. – Aja… Hmm… Was gibt’s denn heut zum Abendbrot?“ Vielleicht bin ich etwas voreingenommen und unfair, aber wie oft haben wir uns bei solchen Gesprächen denn schon erwischt? Nicht gerade selten.

So weiter im Text. Von Santiago machten wir dann einen Tagesausflug nach Valparaiso, der Studenten- und Künstlerstadt Chiles. Mit im Gepäck war Jerome, unser Inder, den wir in Buenos Aires kennen gelernt hatten. Die so hoch angepriesene Stadt konnte uns aber leider nicht wirklich überzeugen. Ungewohnt dreckig für Chiles Verhältnisse und ein Künstler Viertel konnten wir auch nur am Rande erkennen. So tranken wir ein paar Bierchen und aßen Sushi auf der Suche nach dem Charme der Stadt.

An unserem letzten Abend konnten wir uns es dann auch nicht nehmen lassen und gingen nochmal ordentlich feiern. Passend dazu hatte Pascal, unser Schweizer, auch noch Geburtstag. Aus diesem Grund, nicht ganz eigennützig, haben wir die beiden Schweizer dazu überredet uns in Santiago nochmal zu treffen. Die Zwei waren also gebucht. Bei Jerome brauchten wir keine Überzeugungsarbeit leisten, da er auch wirklich sicher gehen wollte, dass wir das Land verlassen. Und so tranken wir zu fünft in Nancys Wohnung vor (sie war noch unterwegs), gingen nochmals Sushi essen und tranken weiter vor, bis endlich Nancy und ihr Kumpel Nikolas zu uns trafen. Alles was danach kam, kann jeden Abschiednehmer nur Stolz machen. In einer kleinen Disco tranken wir auf die Freundschaft, auf das Abschiednehmen, das Wiedersehen (Jerome hat sich auch gleich zu unserer nicht geplanten Hochzeit selbst eingeladen) und auf alle Chilenen, die sich bei unserem Bruderschaftstrinken mit eingeschlichen hatten (siehe Bilder). Und so wurde es ein unvergesslicher Abend, der uns den Abschied von Südamerika nicht gerade leichter gemacht hat.

In der Nacht wurde dann das Gepäck noch im betrunkenen Zustand gepackt, so dass wir am Flughaven noch nicht einmal wussten, wo unser Zelt eigentlich war. Tipp an alle: wenn man nach Neuseeland reist, den Rucksack im nüchternen Zustand packen, sonst kommt es bei den Grenzbeamten schon mal zu dem ein oder anderen dummen Spruch. Denn man darf nach Neuseeland keinen Dreck mitbringen. Sonst gibt es Ärger, weil sie Angst haben, dass man irgendwelche fremden Arten einschleppt. Deswegen musste ich meine Wanderschuhe auch mit der Zahnbürste putzen. Da fällt es dann schon mal schwer, sich eigestehen zu müssen: „Ja wir haben ein Zelt, wir wissen nur nicht wo und ob wir überhaupt die Heringe eingepackt haben.“ Im Röntgenbild stellte sich heraus, wir hatten die Heringe eingepackt J. Irgendwann hatten wir dann auch meine Wanderschuhe gefunden und bekamen ein Lob, weil sie so gut geputzt waren. Ende gut alles gut.

Ach und Chiles Präsident heißt Sebastián Piñera und tritt in jedes Fettnäpfchen, das er findet. So schrieb er in gutem Gewissen in ein Gästebuch bei einem Deutschlandbesuch „Deutschland, Deutschland über alles“. Als man ihn bat, etwas Neues zu schreiben, fiel ihm nichts besseres ein als „Arbeit macht frei“. Darufhin entfernte man die Seite.

Andrea

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