Cotopaxi NP

Nach nur einem Tag Pause in Latacunga ging es für uns sofort zur nächsten Wanderung. Ich konnte mich sogar glücklich schätzen. Sven wollte eigentlich gleich am nächsten Tag los. Der Junge gönnt einem auch keinen Tag Pause, man könnte meinen er sei irgendwie auf der Flucht. Aber man kann ihn ja dann doch von einigen Sachen noch überzeugen…

So ging es also Richtung Cotopaxi. Einen genauen Plan hatten wir nicht und so wanderten wir erst einmal zum ersten Campingplatz. Wenn man in einen Nationalpark geht, erwartet man ja eigentlich das pure Naturerlebnis. Das musste leider noch warten, denn man hatte eine komplett geteerte Straße direkt zum Cotopaxi gebaut. Natur sieht für mich anders aus. Einziger Vorteil: wir konnten uns nicht verlaufen. Der Zeltplatz war da schon etwas uriger, mitten in einem kleinen Waldstück haben wir unser kleines Heim aufgeschlagen und genossen die idyllische Ruhe, bis eine Horde Jugendlicher eintrief, die dann auch gleich die Boxenlautstärke ihrer Autos testeten. Also Partymucke statt Grillengeklicke. Aber wir waren ja auch wegen dem Cotopaxi hier und nicht wegen den Grillen. Der Cotopaxi ist übrigens einer der höchsten noch aktiven Vulkan der Welt (5.897 m). Die große Eruption 1877 schmolz den Gipfelgletscher vollständig ab, so dass die entstehende Schlammlawine das umliegende Land mehr als 100 km weit überflutete und die Stadt Latacunga komplett zerstörte. Jeder Berg ist doch für irgendwas der höchste. Naja und so auch dieser Vulkan. Der kleine Riese macht aber auch schon was her, mit seinem Farbenspiel aus grünen Hängen, roten Lavaströmen und dem schneebedeckten Schopf. Leider verhüllen die Wolken viel zu oft sein Antlitz.

So auch an Tag zwei. Statt Höhensonne bekamen wir Wolkensuppe und Dauerregen. Da uns dabei jegliches Wandern verging blieben wir einfach da wo wir waren und beschäftigten uns mit Feuerholzsuche, nach Wolkenauflösung Cotopaxistarren und Feuer machen. Letzteres mussten wir mit 5 Streichhölzern schaffen. Nach dem fünften war immer noch nichts von Feuer zu erkennen und so pustete sich Sven um sein Leben. Er schafft es wirklich aus etwas Qualm ein Feuer zu machen. Und so hatten wir abends eine herrliche Lagerfeuerstimmung. Diesmal auch allein. Naja außer dieser aufdringliche Fuchs, der die ganze Zeit um uns herum schlich. Das war mir dann wiederum zu viel Natur.

Nach dem dritten Tag ohne jeglichen Komfort konnte ich Sven davon überzeugen, doch jetzt schon zurück in die Zivilisation zu wandern. So suchten wir uns einen netten Wanderweg jenseits der geteerten Straßen aus und machten uns im Wolkendunst auf. Nach Nebelauflösung hatten wir auch eine herrliche Wanderung vor uns mit dem Cotopaxi im Nacken und einem anderen Vulkan vor uns. Voller Freude hatten wir unsere bisher schönste Wanderung hinter uns. Tja bis zu dem Punkt, als aus der Tour eine Tortur wurde. Damit unsere Eltern keinen Herzinfakt bekommen, versuche ich es auf eine schöne Art zu beschreiben, was dann geschah:

Wir hatten gehört, dass es in diesem Park auch Pumas gibt. Um uns auf die wirkliche Wildnis einzulassen, verließen wir den langweiligen Touristen Pfad und machen uns auf die Suche nach dem Puma. Natürlich immer im Glauben auf dem richtigen Weg zu sein. Bis wir an eine Schlucht kamen. Hmmh, da sind wir wohl statt Richtung Westen, Richtung Norden gegangen. Egal, zurück und über den nächsten Hügel. Jetzt sind wir aber richtig. Fehlanzeige: nächste Schlucht und noch kein Puma. Also zurück und über den nächsten Hügel. Jetzt waren wir aber richtig? Nein, natürlich nicht. Auch hier hielt uns eine Schlucht auf, diesmal mussten wir diese jedoch durchklettern, um zum nächsten Hügel zu gelangen. Vielleicht warteten ja da der Puma und ein Weg auf uns. So sollte es auch sein, also das mit dem Weg, der Puma war uns nach dieser Hügelbesteigung nämlich auch egal. Ach wie schön kann doch so ein ausgetretener Pfad sein. Und so kamen wir statt nach 5 nach 10 Stunden an unserem Ziel an. Ich habe auch mit Sven geredet, dass das die letzte Pumasuche sein wird und er war einsichtig. Liebe Eltern: keine Pumasuche mehr und ja, wir sind im Ganzen im Hotel angekommen. Zwischenzeitlich habe ich ehrlich gesagt daran gezweifelt.

Besonders Sven hatte seine alte Kraft bald wieder, meine Beine hingegen sehen heute noch etwas ramponiert aus. Ich sage ja, zu viel Natur ist nichts für mich.

Andrea

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Eine Antwort zu Cotopaxi NP

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