Machalilla Nationalpark

Nachdem wir nun einige Tage das Stadtleben genossen hatten, konnte ich Sven wirklich davon überzeugen, dass es essentiell für uns wäre, zum Pazifischen Ozean zu fahren. Da gäbe es ja so einen schönen Nationalpark. Hmm, natürlich hatte ich nur die dort verweilenden Buckelwale im Sinn… Da Wale meine heimliche Leidenschaft sind, sprudelten die Argumente nur so aus mir heraus… Also schlugen wir unser neu erworbenes Zelt im Garten eines Hostals in Puerto Lopez auf. Erst wollte uns der Besitzer nicht auf seinen heißgeliebten Rasen lassen und uns lieber auf einer Steinhalde nächtigen lassen. Als wir versprachen, ihm unser Zelt jeden Tag umzustellen, lies er uns zum Glück gewähren. Komischer Kauz.

Nun wartete ein Besuch der Umgebung auf uns. Der eben erwähnte Nationalpark Machalilla hat als Schutzgebiet auch eine Insel inbegriffen: die Isla de la Plata – das Galapagos für Arme. Ohne Scherz, diese Insel ist zwar nicht wie Galapagos vulkanischen Ursprungs, sondern wurde irgendwann vom Kontinent abgespalten, dennoch findet man hier einige endemische Arten, die man sonst nur auf Galapagos findet. Da unser Geldbeutel leider zu klein für das echte Galapagos ist, haben wir uns natürlich schnell mit der Miniversion angefreundet und konnten wenigstens einen Hauch von der Fazination der Galapagos-Inseln genießen.

Bei unserem Besuch haben wir vorallem viel über die Blaufußtölpel gelernt. Einerseits sind diese Vögel faszinierend, andererseits aber einfach nur verrückte Viecher. Seinen Namen verdankt der tropische Meeresvogel seinen blauen Füßen und seiner scheinbaren Ungeschicklichkeit. Der Blaufußtölpel ist allerdings ein gewandter Flieger und Taucher beim Beutefang. Da die Insel nur von einigen Touris besucht wird, fühlen sie sich durch den Menschen nicht gestört. Ganz im Gegenteil: die Pfade, die für Führungen auf der Insel angelegt wurden, nutzen sie sehr freuzügig als Brutplätze. Jedoch bauen die Vögel nicht nur ein kleines Nest, sondern markieren dieses, in dem sie sich im Nest leicht nach vorne beugen, kurz Anstrengen und einen Strahl ums Nest (Entschuldigung im vornherein für die Ausdrucksweise) kacken. Ja sie machen quasi einen Kackkreis um ihre Nester. Besser kann ich es einfach nicht beschreiben. Dieser ist für Mensch und Tier gut zu erkennen und so lange keiner in den Kackkreis kommst, ist alles entspannt. Das ist mal eine nette Koexistenz von Tourist und Vogel, man kann den Vogal aus nächster Nähe fotografieren, dafür geht man nicht in den Kackkreis. Fairer Deal… Was ist noch zu sagen, die Frauen stehen auf besonders blauen Füßen und haben kleine Pupillen, dadurch wirken die Männchen nur noch dümmlicher, da sie einen etwas schielenden Blick bekommen. Poligamie wird groß geschrieben, aber so lange die Eier noch auszubrüten sind, wird gefälligst abgewechselt beim Sitzen. Ich könnte noch soviel schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen… Ansonsten ist noch zu erwähnen, dass wir diverse Fregattvögel mit unheimlich angeberischem großen und rotem Kehlsack, viele gut angefütterte Schildkröten und gar nicht mal so kleine Fische gesehen haben.

Tja und meine Lieblinge haben wir dann nicht nur einmal bewundern dürfen. Bei 15 € für eine Waltour konnte Sven auch bei der dritten Tour nichts einwenden. Ich weiß, drei Touren sind etwas maßlos, aber ich bin ja nicht gerade für meine Zurückhaltung und sparsame Ader bekannt. Und so hatten wir anfangs richtiges Glück und unser erster Wal ist gesprungen wie ein junger Gott. Leider hatte er, als wir Näher kamen, anscheinend keine Lust mehr. Diese Sprünge werden – Achtung: weitere Biologielehrstunde – zur Beeindruckung der weiblichen Wale genutzt oder um die Parasiten auf der Haut loszuwerden. Leider verpassten wir noch öfter die akrobatischen Leistungen der Wale, aber allein ihr massigen Körper im Gleitgang waren schon mehr als beeindruckend. So, vor lauter Bewunderung kommen hier noch ein paar informative Daten: Mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 13 Metern sind Buckelwale relativ kleine Batenwale, sie erreichen höchstens 18 Meter Länge. Das Gewicht liegt bei 25 bis 30 Tonnen. Der Körper ist dabei im Vergleich zu allen anderen Furchenwalen sehr kräftig ausgebildet. Übrigens ziehen die Buckelwale jedes Jahr am warmen Gewässer von Puerto Lopez vorbei, um dort entweder Fortpflanzung zu betreiben oder ihre Kinder zur Welt zu bringen.

Einziger Wehrutstropfen: manche Bootführer hatten es mit dem Schutz und der Zurückhaltung gegenüber den Walen nicht besonders ernst genommen. Immer mittendruch. Da hat Ecuador noch einiges vor sich was den Tierschutz betrifft. Aber da der Tourismus noch nicht überschwappt und nur ca. 4-8 Boote pro Tag ihr Glück suchen, haben die Wale hoffentlich ein Nachsehen mit uns neugierigen Biestern.

Tja und alles andere rund um unsere Waltouren war eher unbeeindruckend, wie Svens Schnorcheltouren, wo er hauptsächlich den Dreck im Wasser beobachten durfte. Und so träume ich noch heute von den unzähligen Walen auf unserem Weg durch den Ozean. Und beim nächsten Mal springen sie dann vielleicht auch in unserer Nähe.

Die überglückliche Walbeobachterin Andrea

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Eine Antwort zu Machalilla Nationalpark

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