Vilcabamba

Vilcabamba – die Stadt im Tal der Langlebigkeit. Hier im Süden von Ecuador sollte es vor sich dahin greiselnden Menschen nur so wimmeln. 100 Jahre und älter sind hier keine Seltenheit. Was dieses Phänomen jedoch ausmacht, darin sind sich die Gelehrten nicht einig. Das saubere Wasser in der Umgebung, eine gesunde Ernährung und das ruhige Leben seiner Einwohner, sowie, man höre, ionische Ladungen in der Luft, tragen dazu bei, dass nicht nur ein für südamerikanische Verhältnisse äußerst hoher Altersschnitt ergibt, sondern sich hier auch viele Reisende niederlassen.

Wir hatten im Vorfeld unserer Reise eine Dokumentation im Fernsehen geguckt und waren uns sicher, dieses Dorf ist genau das, was wir sehen wollen. Zumal es sich perfekt zum Zelten eignen sollte. Unsere Recherche spuckte schließlich auch eine von vielen Reisenden empfohlene Eco-Lodge aus. Wir verließen also in Vilcabamba den Bus, schnappten unser Gepäck und machten uns auf den Weg. Nach einigen Minuten verließen wir die Stadt und kamen immer weiter in den Wald hinein. Dass man die ökologische Seite des Tourismus auch übertreiben kann, sahen wir kurz nach unserer Ankunft: ein mehr oder weniger verwahrlostes Gelände mit einigen Hütten drauf. Das Management bestand aus drei 16-jährigen Jungs, die sich wahrscheinlich genauso intensiv mit ihrem ersten, spärlichen Bartwuchs wie mit den Gästen der Lodge beschäftigten. Uns wurden die Schlüssel für die Küche am Camping-Platz in die Hand gedrückt und dann mussten wir noch weiter durch den Wald, um schlussendlich auf einer großen Wiese allein zu nächtigen.  Zwar konnten wir unsere Stimmung beim Lagerfeuer noch etwas aufheitern, aber noch eine Nacht länger, nee das wollten wir auch nicht.

So zogen wir am nächsten Tag in eine entschieden nettere Unterkunft um und konnten daher auch das unglaubliche 4:4 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden bewundern. Kein Wunder, dass bei 2 fehlenden Borussen die Defensive unserer Auswahl deutlich wackelte. Tja, und ansonsten waren wir ziemlich enttäuscht von Vilcabamba. Die einzig älteren Leute, die wir bewundern konnten, waren zum Teil sehr subtile US-Amerikaner, die hier ihren Altersruhesitz verbringen wollen. Dass sie dabei teilweise keinerlei  Spanisch-Kenntnisse aufweisen konnten, störte sie nur am Rande. „Wie ihr versteht mich nicht, ach egal, ich rede einfach weiter…“ So geschehen eines abends als wir zwischen leicht verdutzten Ecuadorianer und Ami dolmetschen mussten. Ignoranz pur!!! Dass es allerdings auch gute Beispiele gibt, dürfen wir nicht verschweigen. So haben wir uns super mit zwei Pensionären aus Seattle verstanden, die gerade auf der Suche nach ihrem neuen Heim waren. Auch für sie war Vilcabamba nicht das erhoffte. Wir empfohlen ihnen schließlich Salento und unter anderem deshalb änderten sie ihre Pläne und reisten anstelle nach Uruguay direkt weiter in den Süden Kolumbiens. Wir ließen es uns derweil kulinarisch gut gehen und aßen an drei nachfolgenden Tagen Mexikanisch, Chinesisch und Italienisch. Am frühen morgen unseres letzten Tages richteten sich in der Folge all unser Interesse auf unser nächsten Reiseland: Peru. Es folgte eine beschwerliche, aber auch sehr sehenswerte Reise mit Bus und Pick-Up nach La Balsa, einem mehr als unaufgeregten Grenzort.

Alles in allem hat uns Ecuador in seinen Bann gezogen. Zurückhaltend, aber immer freundlich und wenn dann Gespräche zustande gekommen sind, immer sehr interessiert, waren die Ecuadorianer mit ihrer Herzlichkeit ebenso sympathisch wie die Kolumbianer. Dieses sehr vielseitige Land hat für jeden Geschmack etwas zu bieten, zumal es touristisch nicht so in den Kinderschuhen steckt wie sein Nachbar im Norden – zumindest was die äußere Wahrnehmung angeht.

Sven

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Eine Antwort zu Vilcabamba

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