Cartagena

Nach nur einer Nacht in Capurgana machte sich der Großteil unserer Reisegruppe auf den Weg nach Cartagena. Am frühen Vormittag warteten wir schließlich am Hafen. Eigentlich sollte die Reihenfolge der Passagiere auf dem Schnellboot durch den Zeitpunkt der Buchung festgelegt sein. Aber wir ahnten schon, dass die vorderen Plätze besonders „beliebt“ sein würden. Und so kam es dann auch wie erwartet. Alle Kolumbianer oder welche mit spanisch-klingenden Namen betraten vor uns das Boot. Sogar unser Schwede mit dem typisch skandinavischen Namen Joakim durfte vor uns seinen Platz einnehmen. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, sagte der für den Vorgang verantwortliche: „Und nun alle Gringos“ (mit Gringos sind eigentlich die Amerikaner gemeint, der Begriff hat sich jedoch auch für andere Touristen eingebürgert). Nach gut 2 ½ Stunden erreichten wir Turbo. Der Name ist hier wirklich Programm. Diese Stadt will man nur turboschnell wieder verlassen. Der Hafen wusste mit pechschwarzen Wasser und einem Gestank wie in einer Kläranlage zu reizen. Als wäre die Fahrt noch nicht beschwerlich genug gewesen, ging es anschließend mehrere Stunden über Bundesstraßen, die Schlaglöcher so tief wie nach einem Bombeneinschlag hatten.

In Cartagena blieben wir ein paar Tage, schlenderten durch die herrliche Innenstadt und genossen endlich wieder einmal eine Klimaanlage. Da es häufig regnete nutzten wir die Chance und guckten ein paar Wettkämpfe der Olympischen Spiele. Cartagena war zu Kolonialzeiten die wichtigste Stadt des Spanischen Reiches, und diente als Umschlagsplatz für die zahlreichen Beutezüge auf dem lateinamerikanischen Festland. Durch ihre Lage an der Pazifikküste war Cartagena jedoch auch ein ideales Angriffsziel für andere Konquistadoren und Piraten. Erst nachdem die Stadt eine Befestigungsanlage erhielt, blieb sie bis zur Unabhängigkeit des kolumbianischen Reiches in spanischer Hand. Von der kolonialen Pracht Cartagena‘s ist nicht nur wegen der durchgeführten Restaurierungsarbeiten viel erhalten.

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Zusammen mit Alex und George, dem englischen Pärchen vom Segeltrip, machten wir am letzten Tag unseres Aufenthaltes einen Ausflug zum „Schlammvulkan“ Totumo. Diese an einem See gelegene, vulkanähnliche Erhebung ist eigentlich ein riesiges Schlammloch. Aus ca. 2000 Meter Tiefe wird dabei der warme, extrem dickflüssige Modder an die Oberfläche gedrückt. Entsprechend einer lokalen Überlieferung spie der Vulkan einst Feuer, Lava und Asche. Durch einen heiligen Priester, der den Vulkan für ein Werk des Teufels hielt, wurde der Vulkan jedoch durch das Streuen von Weihwasser zu Schlamm verwandelt. Einmal den 15 Meter hohen Berg erklommen wurde man in die schleimige Massen geführt, kurz massiert und sich dann selbst überlassen. Ein komisches Gefühl, und es brauchte seine Zeit, bis wir uns einigermaßen dort drin bewegen konnte. Insbesondere Rutscheinlagen auf dem Schlamm sorgten so für einige Unterhaltung. Nach dem Schlammbad wurde alle Teilnehmer schließlich fachmännisch von Einheimischen gereinigt und diese waren nicht scheu einem zu sagen „Zieh deine Hose aus!“. Den Frauen wurde an dieser Stelle einfach der Bikinioberteil vom Leib gerissen. Ein mehr als skurriler, aber dennoch lohnender Ausflug.

Sven

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Eine Antwort zu Cartagena

  1. Anke schreibt:

    ihr seht aus wie Statuen mit dem Schlamm 😀

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