Ciudad Perdida

So und nun kommen wir zu einem unserer Highlights, auf die wir uns schon so gefreut hatten: Ciudad Perdida, die verlorene Stadt. Von Santa Marta, einer eher nicht so atemberaubenden Stadt, ging es fünf Tage auf große Wandertour. Mit von der Partie waren wieder unser Lieblingsengländer Alex und George, sowie die US-Amerikaner Maria und Shawn, die beide in Quito (Ecuador), Englisch unterrichten. Natürlich hatten wir uns auch vorher informiert, da fünf Tage wandern ja nicht ohne sind. Und in den Foren stand: wunderschön und höllisch anstrengend. Ach und man sollte das Mückenspray nicht vergessen. Naiv wie man ist, denkt man bei höllisch anstrengend, dass die Leute einfach nur übertreiben oder irgendwelche Luschen sind…

Tja, manchmal fragt man sich selbst, wie blöd man sein kann. Denn diese fünf Tage haben zumindest mich wirklich nah an meine körperlichen und geistigen Grenzen gebracht. Teilweise unerträgliche Hitze, unendlich lange Aufstiege, unendlich lange Abstiege, wasserfallähnliche Regenfälle, blöde Knieschmerzen und unwegsames Gelände haben diese Tour nicht gerade einfach gestaltet. Die Leute im Forum hatten wirklich recht, es war einfach nur höllisch anstrengend. Unsere Engländer hatte es sogar so schlimm getroffen, dass sie unter ihren Blasen schon neue Blasen hatten. Und dennoch war dieser Trip jede Strapaze wert. Auf unserem Weg sind wir indigenen Gruppen begegnet, haben den Urwald Kolumbiens erkundet, haben in wunderschönen natürlichen Swimmingpools gebadet, hatten wohl die wohlschmeckendsten Biere nach getaner Arbeit, hatten einfach nur witzige Stunden mit unseren Mitwanderern und haben Überbleibsel einer uralten präkolumbianische Kultur entdecken dürfen. Es war einfach ein Abenteuer mit Flussdurchquerungen, Schlafen in Hängematten, zahlreichen Stichen, von irgendwelchen Piksefliegen, Wandern am Abgrund und Insekten so groß, dass man froh über sein Moskitonetz war.

Der Ablauf der Tour ist auch schnell erzählt. Die ersten drei Tage ging es meist 4-5 Stunden in Richtung Ciudad Perdida. Auf unserem Weg haben wir dann auch jegliche Flüsse zum Abkühlen genutzt. Am dritten Tag ging es dann nach 5 Stunden Aufstieg zur dritten Unterkunft und nach einem kleinen Bad direkt weiter die 1200 Stufen hinauf zur „Verlorenen Stadt“. Dort wurden wir auch freudig von tausenden Moskitos begrüßt. Nichts desto trotz haben wir uns durch die alten Wohnanlagen zur heiligen Stelle hochgekräpelt – mehr war es leider nicht mehr. Dort haben wir dann bei einem kühlen Bier, wie auch immer das die Militärleute da so kalt bekommen haben, den unglaublich schönen und für alles entschädigenden Ausblick genossen.

An dieser Stelle muss ich auch endlich unseren Guide vorstellen. Carlos, er könnte aus einem guten, alten Lateinamerikanischen Western entsprungen sein: Schnauzer, Machete, Hut und das schelmischste Lachen, das jeden angesteckt hat. Irgendwie hatte er sich in meinen Namen verliebt, denn irgendwie war ich ständig Mode: Andrea bekommt kein Essen, Andrea das Huhn, weil sie nicht vom 7 Meter Fels gesprungen ist, Andrea hier, Andrea da. Aber dieser Kolumbianer war einfach zum Lieb haben. Wie er sich um uns gekümmert hat, war einfach nur großartig. Er hat uns mit Essen überhäuft und hat uns durch man brenzliche Lage meisterhaft geführt. So auch bei unser Ciudad Perdida Besichtigung. Denn aus heiterem Himmel meinte er plötzlich, dass wir aufbrechen müssen, weil es gleich regnet. Hmm, keine einzige Regenwolke in Sicht, aber gut, wenn er es sagt. Und nur 20 Minuten später hatte es wie aus Eimern gegossen. Was wirklich nachteilig war, denn die schmalen, mossbewachsenen Stufen, wurden somit zur Rutschpartie und der vorher seichte Bach, den wir durchquert hatten, wurde zum reißenden Strom. Aber Carlos hat uns alle sicher wieder ins Camp geführt und wir durften uns bei herrlichem Essen wieder erholen und trocknen lassen. Das Trocknen hätten wir uns zwar sparen können, denn am nächsten Tag sollte uns der nächste stundenlange Regeschauer auf unserer Rücktour einholen, aber an diesem Punkt war uns eh alles egal. Am letzten Tag waren die 7 Stunden wandern dann doch wirklich die endgültige Qual. Meine geschwollenen Knie haben meine Tränensäcke auf die Probe gestellt und ließen mich beim letzten Schwimmen wie eine Kuh beim Versuch zu schwimmen aussehen. Denn die eigentliche Schwimmbewegung war durch die Schwellung nicht mehr möglich. Aber alle, ja auch ich, haben es trotz Blasen und anderer Wehwehchen bis zum Ende ohne Muli geschafft. Und so saßen wir dann beim Mittag vor unserem Bier, glücklich und geschafft, und haben den Neuankömmlingen erzählt, wie wunderschön und höllisch anstrengend doch die Tour wäre. Ach und sie sollten doch bitte ihr Mückenspray nicht vergessen.

Andrea

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Eine Antwort zu Ciudad Perdida

  1. Andreas Kahlow schreibt:

    HALLO IHR ZWEI! Andreas hat jetzt viel Zeit eure Reise zu verfolgen.Habe mir den großen Zeh gebrochen das heißt Gipsfuß.(scheiß Fußball)Die Bilder sind der Hammer ganz besonders die vom Kindergarten.bleibt schön gesund und habt viel Spaß.Gruß Andreas

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