Los Nevados

Los Nevados ist einer der schönsten Nationalparks in Kolumbien und Sven hatte sich in den Kopf gesetzt, diesen zu Fuß zu entdecken – vor allem den 5200m hohen Nevado del Tolima bis zur Schneegrenze zu besteigen. Die nun folgende Geschichte wird aber leider keine fröhliche Geschichte von wunderschönen, schneebedeckten Anden-Vulkanen und atemberaubenden Aussichten. Ganz im Gegenteil, wir haben den Park nie erreicht, sind irgendwo in Kolumbien verloren gegangen und haben den Vulkan Tolima nie zu Gesicht bekommen. Und warum, weil wir dachten, der gutausgebaute, helle Weg wäre der richtige und nicht der kleine, unscheinbare, dunkle. Wie konnten wir auch nur so naiv sein. Aber von vorn…

Wir sind erneut ins Valle de Cocora gefahren, weil man von dort aus den Park gut und kostenlos erreichen kann. An einem Restaurant haben wir gezeltet und sind am nächsten Tag vollen Mutes und mit kleinem Gepäck los. Die ersten 10 km verliefen auch ohne Probleme. Dann kam besagte Abzweigung. Wir haben den guten Weg gewählt und mussten feststellen, dass dieser zu einer Farm führte. Da wir keinen Zweifel hatten, dass wir falsch waren, gingen wir immer weiter in unser Unglück. Denn irgendwann war der Weg nur noch Matsch und wir standen plötzlich vollkommen verloren im Nichts. Man das war (Entschuldigung für die Ausdrucksweise) einfach nur eine Scheiße. Kurz vorm Dunkelwerden im Nichts stehen, irgendwo in Kolumbien. Das war der Moment, wo ich selbst bei Sven Sorgenfalten gesehen habe, zum ersten Mal. Naja dann haben wir zum Glück das eher sehr einfache Farmhaus gefunden. Mehr ein Bretterverschlag… Das Besitzerpärchen erzählte uns dann in einem eher unfreundlichen Ton, dass wir noch ca. drei Stunden von unserem Ziel entfernt wären. Puh, da sah ich mich dann ganz verloren. Wahrscheinlich müssten wir bei kalten Temperaturen (wir waren ca. auf 3600 m), nach 9 Stunden bergauf wandern im Wald schlafen, oder durch die Nacht laufen und uns noch mehr verlaufen. Tja irgendwie müssen wir so erbärmlich ausgesehen haben, dass das eher keine Menschen gewohnte Pärchen plötzlich auftaute und uns ihr Haus als Bleibe anbot. Mit diesem Angebot hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Aber so ist Kolumbien fern der Touristenwege, die Menschen scheinen oft eher unfreundlich, aber tauen sie einmal auf, sind sie plötzlich so nett und freundlich, dass man sie einfach nur ins Herz schließen muss. Aber wie würden wir wohl reagieren, wenn plötzlich irgendwelche dunklen Gestalten vor unserem Haus stehen würden. Bestimmt nicht mit einer Teeeinladung…So kam es aber: das doch sehr herzliche Pärchen überschüttete uns plötzlich mit Essen und wir bekamen sogar heiße Milch. Die Unterkunft war mehr als einfach, aber meine Güte, wie schön können vier Wände sein, wenn man den Wald so nah vor Augen hat.

Unsere Retter wollten nur ein Dankeschön und so zogen wir am nächsten Morgen von dannen. Im Wolkendunst wollten wir nur noch zurück und Tolima und Los Nevados waren uns sowas von egal. Nur zurück. Über Stock und Stein haben wir uns wieder zurückgekämpft, wir mussten ja nur auf dem guten ausgebauten Weg bleiben. So kamen wir zu unserem herrlich schönen Zelt. Aber auch dort wartet eine Überraschung auf uns. Zwei Hunde, die irgendwie beschlossen haben, uns kleine, schwache Menschen beschützen zu müssen. So haben sie die ganze Nacht an unserem Zelt gesessen und bei jedem bisschen gebellt. Da haben die beiden es wohl zu gut gemeint. Und so war meine Nacht um drei zu Ende und ich habe mich mit Schlafsack, Kopflampe und Buch vors Zelt zu den Hunden gesetzt und gelesen. Und irgendwie haben die Hunde die Wachaufgabe an mich abgegeben und schliefen plötzlich seelenruhig neben mir. Und nach dem Morgengrauen schlief auch ich denn endlich seelenruhig neben den Hunden – neben dem Zelt… Ende gut, alles gut.

Andrea

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3 Antworten zu Los Nevados

  1. Katharina schreibt:

    Das hört sich wirklich nach nem richtigen Abenteuer an!!! Wäre ja auch langweilig, wenn immer alles so läuft wie geplant;-) Das sind hinterher auch die Geschichten, an die man sich erinnert und guten Erzählstoff liefern:-)

  2. Kopflampe? schreibt:

    Welche Kopflampe habt ihr da mitgenommen? Also das Modell. Bin noch auf der Suche nach einem Modell das ein bisschen stabiler ist fürs campen und so.
    Gruß Marco

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