Havanna

Wir schreiben Montag, den 04.06.12. Um 4.45 Uhr morgens erwachte Andrea nach 2 ½ Stunden Schlaf leicht übermündet auf dem Lindenhof in Stendal. Ich gönnte mir noch ein paar Minuten mehr Schönheitsschlaf. Mit aller Gelassenheit hatte ich bis in die Morgenstunden noch meinen Koffer gepackt. Warum auch stressen, Abfahrt war ja schließlich „erst“ um 6 Uhr morgens. Ziemlich schnell wurde klar, dass das fachgerechte Packen der Ausrüstung die erste große Hürde auf unserer Reise darstellen wird. Trotz aller Kompressionstüten wurden die Grenzen der beiden Rucksäcke bis ans Maximum ausgereizt. So musste selbst die gesamte Körperfülle von Stephan, dem Bruder von Andrea, in die Waagschale geworfen werden. Dank Stephans gütiger Unterstützung gings per Auto nach Frankfurt, wo wir drei Globetrotter – Iddy wurde sachgerecht im Rucksack verpackt – um 15.10 Uhr den Flieger nach Havanna (Kuba) bestiegen. Zehn Stunden später konnte es nun also losgehen…

Wie sich ziemlich schnell herausstellte ist Kuba kein Land für Backpacker mit kleinem Geldbeutel. Im von Fidel Castros Bruder Raul geführten Staat, ist der Sozialismus immer noch allgegenwärtig. Dies nimmt für Reisende zum Teil wahnwitzige Formen an.  So gibt es zum Beispiel zwei parallel gültige Währungen. Zum einen den kubanischen Peso, den die arbeitende Bevölkerung als Entlohnung erhält und damit Strom oder Mieten bezahlt. Zum anderen den kubanischen Convertibles (CUC). Diese entsprechen 25 Peso und werden auf alltägliche Sachen erhoben. Sind Reisende jedoch nicht in Besitz beider Währungen, so kann der Urlaub mal schnell auf die geliebte Geldbörse schlagen. So ist der Kubaner ganz schnell dabei, wenn es darum geht, Pesos 1:1 in Convertible zu übertragen. Besonders in den ersten Tagen schlug das Ganze ganz schön aufs Gemüt. Beispiele gefällig? Internet im Schneckentempo (10CUC=8,00€ pro Stunde), ein Mojito (5 CUC=4,00€), eine Zigarre aus Bananenblättern (3 CUC=2,4€). Damit kommen wir schon zum nächsten Punkt: Touristenfallen. Auch wir waren davor nicht gefeit und brauchten die ersten beiden Tage, um ein gesundes Gespür dafür zu bekommen, wann es Zeit war, vermeintlich hilfsbereite Kubaner zurückzuweisen. Wie hat es ein Kubaner uns sehr treffend erklärt: „It’s just to survive“. Zu deutsch: friss oder stirb.

Eigentlich waren wir ja voller Vorfreude auf unsere angedachte 2-wöchige Fahrradtour durch Kuba’s Westen. Doch selbst nach 4 Tagen in Havanna, war es unmöglich, ein Fahrrad zu mieten, geschweige denn zu kaufen. Fahrräder zur Miete gibt es in dieser 2-Millionen-Stadt nicht, und ein Versuch, diese zu kaufen, wurde durch die Staatspolizei vereitelt. In einem Kaufhaus waren wir uns schon mit dem Ladenbesitzer einig, bis die Polizei eintraf und er einen unbekannten Geldbetrag abdrücken musste. Wenig später teilte er uns mit, dass die Qualität der Fahrräder nicht ausreiche für unser Vorhaben. Ganz gut so, denn die einzige Größe, welche dort angeboten wurde, waren 24 Zoll. Hätte bestimmt lustig ausgesehen, wenn ich meine Beine hinter die Ohren geklemmt hätte, um nicht mit den Knien gegen mein Kinn zu schlagen.

Dennoch: Kuba ist jede Reise wert. Die Freundlichkeit der Menschen ist einfach nur ansteckend. Leider haben unsere mangelnden Spanisch-Kenntnisse tiefgreifende Unterhaltungen bisher nicht ermöglicht. Trotzdem wurde uns immer ein Lächeln geschenkt, unter die Arme gegriffen und die Zeit so angenehm wie möglich gemacht. Unser Startpunkt war die Casa Particulares von Gladys. Eine sehr nette Kubanerin, die uns sofort in ihr Herz geschlossen hatte. So bekam Andrea von ihr die schönsten und niedlichsten Namen zugeteilt: mi Amor (meine Liebe), mi Pequenja (meine Kleine), mi Ninja (mein Kind)… Diese Particulares sind private, staatlich geprüfte und anerkannte Unterkünfte bei der kubanischen Bevölkerung. Dabei müssen die Betreiber einen monatlichen Betrag, der einem Vielfachen des durchschnittlichen Monatsverdienstes eines Kubaners entspricht, an den Staat abdrücken. Und das unabhängig davon, ob er nun Gäste hat oder nicht. Eine sehr einseitige Risikoverteilung. Für circa 20€ pro Nacht fanden wir ein schönes Zimmer mit leckerem Frühstück und chilliger Terrasse. Zwei Abende verbrachten wir dabei Bier trinkend und Zigarre rauchend mit ein paar Norwegern. Havannas Charme machen neben den Menschen, insbesondere die alten kolonialen Gebäude und die US-Oldtimer aus. Das meistgefahrene Auto in Kuba ist aber dennoch wohl der Lada. Väterchen Russland ist halt immer noch allgegenwärtig. So streiften wir drei Tage durch die Viertel Habana Vieja (Altstadt), Habana Centro, und Vedado, um danach dem Chaos der Großstadt schließlich zu entfliehen und per Überlandbus nach Vinales im Westen Kubas zu fahren.

Sven

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3 Antworten zu Havanna

  1. May schreibt:

    Hallo ihr Beiden!
    Schön, von euch was zu hören. Ich hoffe, ihr verliert nicht den Mut, trotz der kleinen ‚Pannen‘ weiterzumachen. Ich find das super. Wünsche euch weiterhin interessante Bekanntschaften. Berichtet weiter von euren Erlebnissen u bleibt gesund. LG May

  2. Nele schreibt:

    i like 🙂 viel spass und lasst es euch gut gehen. freue mich weiterhin von euch lesen zu können. liebe grüsse aus braunschweig – natürlich auch an iddy the idiot.

  3. Anousha schreibt:

    kuba !!!!!!! grandios…sag mal seht ihr auch was von der Landwirtschaft??? dort ist mit der ursprung der ökologischen landwirtschaft, so wie wir sie heute kennen, da ja nix ins land rein oder raus durfte/darf…keine düngemittel, pestizide, hybridsaatgut….
    wär tolll wenn ihr etwas in erfahrung bringen könntet darüber..also ich fänd spannend und du bestimmt auch andrea, oder.
    alles gute

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