Viñales

Nach dem wir nun etwas von Havanna überfordert waren, kamen wir in die kleine Stadt Viñales in Mitten des Unesco-Weltnaturerbes Valle de Viñales. Es hat uns hierher verschlagen, weil wir den Ort sehen wollten, an dem die besten Zigarren der Welt ihr Zuhause haben. Vor allem um Viñales herum war die Natur einfach unglaublich schön. So haben wir uns aufs Pferd gewagt und sind auf teils glitschigen Wegen durch Berg und Tal geritten. Gut es war mehr ein kriechen, da ich noch etwas steif auf dem Hengst saß. Sven’s Gelassenheit hatte da schon mehr was von Reiten. Als ich den Guide fragte, warum denn mein Pferd ständig mit dem Kopf nicke – ich hatte die stille Hoffnung, es habe Spaß an unserem Ausritt – meinte er nur trocken, dass es gerne schneller machen würde. Leider ließ das meine bisher ungeübte Pferdeseele nicht zu. Dennoch hatten wir einen fantastischen Tag zu Pferd und haben alles Mal aus einem anderen Blickwinkel gesehen. Zum Schluss gab es dann noch eine Lehrstunde in Sachen Zigarrenrollen.

Natürlich konnten wir unsere Wanderschuhe nicht ganz allein im Rucksack versauern lassen, deshalb gab es auch eine kleine Wanderung durch örtliche Farmen und die so unwirklich wirkenden Berge samt Tropfsteinhöhlen. Meine Begeisterung für die Tropfsteinhöhlen hielt sich leider in Grenzen, da ich Dickkopf es mit einem Stein der besonders großen Sorte aufnehmen wollte. Fazit: höchst wahrscheinlich einen gespalten Kopf meinerseits und ein Gelächter Seiten des Steins. Dennoch, der Rest des Tages war einfach gigantisch. Panoramen, die jeden Photografen glücklich machen. Aber auch unser Guide, der zwar aussah als ob er seit Tagen nichts gegessen hat – an der Küche seiner Mutter kanns nicht liegen, die war super – war einfach große klasse. Hauptberuf Künstler, dass das in Kuba wahnwitzig ist, sieht man an dem Preis für eine kleine Tube Farbe: 10 CUC (ca. 8€). Davon müssen manche Familien einen ganzen Monat von leben. Dennoch er hat uns selbst berichtet, dass er mit diesem Talent geboren wurde: was soll man also  machen. Und trotz seines schmächtigen Zustandes ist er unserem Ornithologen Sven desöfteren einfach davon gerannt.

Pferd, Fuß… was fehlt: unser geliebtes Fahrrad. Aber ohhhh, man will es nicht glauben, hier konnte man sich wirklich Fahrräder leihen. Gut, wenn uns die Polizei angehalten hätte, hätten wir zwar behaupten müssen, dass wir die Fahrräder selbst ins Land gebracht haben, aber was tut man nicht alles für diese Drahtesel. Wir durften endlich aufs Rad und sind durch die schönsten und abgelegendsten Gegenden Kubas gefahren. Begleitung waren eine Australierin und ein Mexikaner. Bei ihm war immer alles: MUY BIEN. Wie wir diesen Spruch lieben gelernt haben. Und vorallem durften wir endlich das andere Kuba kennenlernen. Jeder, der uns entgegen kam, hat uns ein freundliches HOLA entgegengebracht und hatte eigentlich immer ein Lächeln auf den Lippen. Keine unangenehmen Namen für Weiße, einfach nur ein Hallo und ein Lächeln. Da kann man einfach nur seine Schultern sacken lassen und die Anspannung aus Havanna verlieren. Die Casas particulares in Viñales waren auch herzallerliebst. Im ersten haben wir abends mit den Kindern gespielt und sie haben uns im Gegenzug Bilder gemalt. Im nächsten war der Besitzer so nett, dass er einfach alles für uns besorgt hat, was wir wollten. Selbst eine Fahrt an den Strand in seinem blauen Plymouth. Traumstrand, Traumauto…was will man mehr. Die Tage hier in Viñales waren einfach nach unserem Geschmack.

So dieser Abschnitt ist jetzt für Anousha und andere Wissbegierige: Leider waren wir zum Zeitpunkt deiner Frage schon in Nicaragua und konnten aus diesem Grund keine tieferen Recherchen zum Thema Landwirtschaft betreiben. Wir können nur erzählen, was wir so mitbekommen haben. Die meisten Bauern, vor allem im Westen, sind sehr arm und versuchen den Hauptanteil ihres Landes mir Tabak zu bestellen. Dies bringt das meiste Geld, denn Lebensmittelpreise sind in Kuba sehr niedrig. Oft ist der Anbau von zum Beispiel Reis nur für den Eigenbedarf, da viele Bauern keine Lebensmittelrationen der Regierung möchten, denen es oftmals an Qualität mangelt. Zum Verkauf lohnt es sich nicht, da die Kubaner Lebensmittelrationen per Marken bekommen. Also wird hauptsächlich Tabak angebaut. Aber auch dieses Geschäft ist ein hartes, denn 90 % müssen an den Staat zu Niedrigstpreisen abgegeben werden. Nur 10 % bleiben zum eigenen Verkauf. Mich würde bei den Verhältnissen und der nicht vorhandenen Produktpalette nicht wundern, wenn vieles ökologisch durchgeführt wird, so werden alle Felder hauptsächlich mit Kuh und Pferd bestellt. Dennoch wollen immer weniger Menschen auf dem Land bleiben, da Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen. So zumindest unsere Erfahrungen aus Viñales.

Ich hoffe, dass der kleine Einblick hilfreich war.

Andrea

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