Kindergarten Los Ositos

So und nun zu einem Thema, dass uns sehr am Herzen liegt. „Los Ositos“ (Die Bärchen). Ich weiß der folgende Text scheint so unendlich lang, aber seid tapfer… Es gibt halt viel zu erzählen. Neben unserem Spanisch-Kurs wollte Sven unbedingt noch etwas Sinnvolles tun. Deshalb hatte er vorgeschlagen, doch nebenbei in einem Kindergarten zu arbeiten. Da ich wusste, dass dieses Vorhaben etwas übereifrig war, war ich von dieser Idee nicht wirklich überzeugt. Aber ich sollte eines besseren belehrt werden. Natürlich war es sehr anstrengend, aber die Arbeit dort war einfach nur unglaublich schön.

Doch erst einmal zum Kindergarten. Es ist ein Kindergarten der von, soweit ich das verstanden haben, Privatpersonen aus den USA und Holland finanziell unterstützt wird. Diese Unterstützung ist jedoch sehr unregelmäßig und beschränkt sich hauptsächlich, auf die Bezahlung der anstehenden Gehälter. Die eigentliche Leitung ist in der Hand einer Nicaraguanerin: unserer Chefin Edel. Gestartet wurde das Projekt als „Centro de Desarollo Infantil (CDI) Los Ositos“ 1990 von katholischen Nonnen, die sich aber später zurückzogen und das Zentrum der örtlichen Gemeinschaft übergaben, die es nun trotz finanziell sehr beschränkter Mittel weiterbetreibt. In dem Kindergarten werden die Kinder entweder kostenlos für die einzelnen Vormittagsklassen oder gegen einen geringen Essensaufpreis ganztägig betreut. Hierbei handelt es sich um Kinder, die aus teilweise sehr armen Verhältnissen kommen, in denen sich die Eltern die staatlichen Kindergärten nicht leisten können. Es arbeiten die Direktorin, eine Köchin, drei Lehrerinnen und eine Kleinkindbetreuerin hier. Das monatliche Einkommen ist hier leider auf 70 US$ beschränkt.

Ich hatte etwas Zeit, mich mit den Betreuerinnen zu unterhalten und man merkt an jeder Ecke, dass die Armut vor der Tür steht und wie sehr sie auf das Geld angewiesen sind. In zwei Fällen hatte der Mann keine Arbeit und das Geld musste für jeweils 5 Köpfe reichen. Eine ist alleinstehend und hat selbst 4 Kinder und unsere liebe Glenny, die wir unterstützen durften, war hochschwanger. Statt sich auszuruhen, arbeitet sie einfach so lange bis das Baby kommt. Und so etwas wie Babyjahr kennt man hier nicht. Nach einem Monat fängt sie dann wieder an zu arbeiten.

Der Kindergarten selbst war teilweise spärlich ausgestattet. Es gab ca. 20 Pinsel für die geschätzten 70-80 Kinder, Hefte müssen die Eltern kaufen, da diese das teilweise nicht wollen oder können, müssen die Kinder bei den Schreibübungen zugucken, die Wassermalfarben bestanden eigentlich nur noch aus den leeren Schalen. Bleistifte wurden auch fleißig unter den Schülern ausgetauscht. Die vier Jahre alten Klappbetten hatten teilweise beachtliche Risse und hatten wahrscheinlich schon vor einem Jahr ihre besten Tage überschritten. Bei teilweise 40 °C gab es noch nicht einmal in jedem Klassenraum einen Ventilator. Für die Pausen hatten die Kinder lediglich einen halb aufgepummten etwas in die Jahre gekommenen Ball…

Trotz der sehr beschränkten Mittel kann man aber nicht behaupten, dass dieser Ort ein Ort der Traurigkeit ist. Es wird viel gelacht, gespielt und gerauft. Die Lehrerinnen sind einfach nur herzlich zu den Kindern. Unsere Hochschwangere hatte teilweise bis zu 30 Kinder zu betreuen, hat aber nie ihre Ruhe verloren, sondern versucht sogar, die Kinder mit zum Beispiel Schreibproblemen jeden einzeln zu unterstützen. In den meisten der Community-Kindergärten ist das erzieherische Niveau eher gering – in Los Ositos jedoch versuchen die Frauen auch Vorschulklassen durchzuführen und den Kindern dabei Lesen, Schreiben und einfaches Rechnen beizubringen. Die Kinder selbst sind einfach nur kleine aufgeweckte Hüpfbälle, die uns trotz unserer Sprachbarriere sofort in ihre Runde aufgenommen haben. Und so bekamen wir dann doch schon mal die eine oder andere Kuscheleinheit von ihnen. Was uns immer wieder positiv überrascht hat, war wie robust diese kleine Rabauken sind. Hingefallen??? Na und, Dreck ist eine Auszeichnung und mit was kann man besser angeben, als mit einer richtigen Wunde. Kam dann doch mal das ein oder andere Tränchen, hatte Sven mit seiner „Kitzeltherapie“ enorme Erfolge verzeichnen können. Dies war andererseits auch ein Allheilmittel gegen Kinder, die nicht hören wollten.

Unsere Aufgabe lag darin unsere Glenny etwas zu unterstützen. Soweit das halt ging. Mit den Kindern malen, kneten, schreiben, spielen und den Sack Flöhe irgendwie zusammenhalten. Und das war meist die schwierigste Aufgabe.

Wie ihr merkt, schreibe ich mich um Kopf und Kragen, aber diese kleinen Rabauken und dieser Kindergarten hat uns einfach in den Bann gezogen. Und irgendwie wollten wir etwas tun. Aus diesem Grund haben wir die Direktorin angesprochen und gefragt, wie wir denn helfen könnten. Aber irgendwie wollte sie nicht wirklich mit der Sprache raus. Bis sie uns dann nach Tagen berichtete, dass die Betten doch eventuell neue Bezüge bräuchten. Gut also holten wir vollen Elan Stoff zum Beziehen. Für 7 Betten sollte es reichen, mehr hatten wir für den Anfang als wirklich Ernstfälle angesehen. Dazu kamen Hammer und Nägel für Stühle, die kaputt in der Ecke lagen und von Sven repariert werden wollten. Die Direktorin war natürlich total glücklich darüber, doch als wir anfingen uns die Betten genau anzuschauen, merkten wir gleich wie naiv wir waren, 7… war mehr als eine positiv gedachte Zahl. Doch leider hatten wir mit dem vorhandenen Einkauf schon ein beachtliches Loch in unserem Monatsbudget hinterlassen. Was tun, so konnte das auf jeden Fall nicht enden. Etwas könnten wir noch abzwacken, aber für weiter 13 Betten reichte es definitiv nicht.

Also haben wir uns ein Herz gefasst, mir fiel das etwas schwer, und haben einen kleinen Spendenaufruf gestartet. Für alle, die sich jetzt wundern, dass sie davon aber nichts wussten, bitte nicht böse oder traurig sein, es musste schnell gehen und es sollte alles dann doch in einem kleinen, persönlichen Rahmen gehalten werden. Also nach langer Diskussion wie man so etwas schreiben könnte, denn man bittet ja nicht alle Tage seine Freunde und Familien offensiv um Geld, haben wir einen Aufruf verfasst… Aber aller Angst und allem Zweifel zum Trotz war das Ergebnis einfach nur ein riesiger und unglaublich schöner Erfolg. Innerlich hatten wir gehofft, dass das Geld für die Betten und vielleicht ein paar neue Stifte reicht, aber die Resonanz war so groß, dass wir tatsächlich einen Gesamtbetrag von, haltet euch fest, 710 € verzeichnen durften. In der örtlichen Währung klingt dieses Ergebnis noch beeindruckender: 20.600 Cordoba.

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An alle Beteiligten: uns bleibt leider nur, euch von ganz weit weg zu danken, aber ihr glaubt nicht wie viele Kinderherzen und auch Lehrerinnen ihr glücklich gemacht habt. Und ihr habt uns die Chance gegeben, etwas wirklich Schönes zu erleben. Denn mit diesem Geld sind wir erst einmal einkaufen gegangen, haben versucht für jede Gruppe etwas zu finden: sei es Wassermalfarben, Stifte, Papier, Radierer, Anspitzer, Plakate, Knete, Hefte, die restlich Bettsachen, Bälle, Spielzeug, DVDs, eine DVD-Player, Ventilatoren, Küchenutensilien, Putzmittel, Geschenke für jedes Kind, Geschenke für die Lehrerinnen, und, und , und… An unserem letzten Tag haben wir dann für die Kinder noch eine kleine Feier organisiert, um somit einen schönen Rahmen für die Übergabe zu schaffen. Und der Tag war einfach nur unglaublich schön. Wir haben versucht nicht ein riesiges Brimborium drum zu machen, sondern haben eine Tischreihe vorbereitet und haben es den Lehrerinnen im Stillen überreicht, keinen applauserhaschenden Auftritt. Und die Dankbarkeit der Lehrerinnen war einfach Belohnung genug. Die Feier für die Kinder war auch ein riesen Erfolg. Etwas Geld haben wir dann den Lehrerinnen zur freien Verfügung gestellt. Darüber waren wir uns auch erst etwas unsicher, aber nach dem die Köchin und Kleinkindbetreuerin, die nun eine glückliche Besitzerin eines endlich vorhandenen Zweitshirts ist, vollkommen schüchtern zu uns kamen und fragten, wie wir uns das denn mit dem Geld vorgestellt haben, was sie damit machen dürfen, wussten wir, dass wir alles richtig gemacht haben.

Zu den Betten: wir konnten alle kaputten und pflegebedürftigen Betten mit Hilfe der Direktorin und einer Lehrerin reparieren und wie stolz und fröhlich die Kinder über die neuen, farbenfrohen Betten waren, könnt ihr auch bei den Bildern bestaunen. Da gab es dann doch den ein oder anderen Streit, wer wo liegen darf.

Also: danke, danke, danke. Wie kann ich versuchen, zu erklären was wir mit dem Geld machen konnten? Es war einfach mal eine gute Sache. Nicht mehr und nicht weniger. Zum Abschied haben wir dann noch ganz viele Umarmungen, Küsse, Grüße nach Deutschland an unsere Familien und Freunde, ein T-Shirt und eine kleine gravierte Nicaragua-Box, sowie eine kleine Überraschung für alle Beteiligten mitbekommen. Diese drei Wochen waren einfach einen schöne Erfahrung, die wir nicht missen wollen und mit eurer Hilfe, konnten wir wenigstens ein paar Probleme und Sorgen von den Schultern der Betreuerinnen nehmen und die Kinder unterstützen. Diese kleinen Flöhe…

Andrea

3 Antworten zu Kindergarten Los Ositos

  1. elala schreibt:

    oh gott, da kommen einem ja die tränen. toll, ich freu mich, dass die paar kröten so viel freude und hilfe gebracht haben. unglaublich, was ihr damit alles kaufen konntet. ich bin stolz auf euch. wenn man noch mehr helfen kann, sagt bescheid!!! für so viel glückliche kinder immer wieder gerne…

  2. Katharina schreibt:

    Wow!!! Ihr seid einfach die Besten! Ehrlich, ich bin voll stolz auf euch, was ihr alles auf die Beine stellt! Das war wirklich eine unglaublich gute Tat! Und die Kleinen werden es euch auf Ewig danken! Würden euch das nächste Mal auch gerne unterstützen, so weiß man wenigstens, dass das Geld auch wirklich dort ankommt, wo es gebraucht wird!

  3. Anke schreibt:

    toller Beitrag von euch! Die Kinde sehen total glücklich aus. Super, wie man durch kleine Dinge viel bewegen kann. Bei der nächsten Spende bin ich auch dabei ;), gerade wenn ich weiß, dass ihr euch für Kinder engagiert!

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