León & Spanisch-Kurs

Neben unseren beiden Ausflügen hatten wir uns natürlich noch Einiges vorgenommen für León. Neben einem 3-wöchigen Spanisch-Kurs, den insbesondere ich dringend benötigte, arbeiteten wir halbtags in einem Kindergarten für sozialschwache Familien, die sich die „normalen“ Kindergärten nicht leisten können. Dem Kindergarten haben wir einen gesonderten Eintrag gewidmet. [mehr]

Bevor wir zum Spanisch-Kurs kommen, einige Worte zu León. Die Geschichte des liberalen León‘s ist durch eine jahrhundertelange Rivalität mit dem konservativen Granada, eine weitere bedeutende Kolonialstadt Nicaraguas, geprägt. Als Folge dieser Auseinandersetzung wurde das eigentlich unbedeutendere Managua zur Landeshauptstadt. In León, der intellektuellen Hauptstadt Nicaraguas, wurden schon immer Diskussionen geführt und gepflegt. So ist León auch der Ausgangspunkt für die revolutionären Kämpfe der Bürger gegen das Somoza-Regime. Den bürgerkriegsähnlichen Zuständen fielen in den 1980er Jahren tausende Menschen zum Opfer. Das Stadtbild prägen die kolonialen Kirchen, die sich jedoch kaum voneinander unterscheiden. Mit einer Ausnahme: die größte Kathedrale Lateinamerikas steht im Herzen Leóns. Heute zeigt sich die Stadt von seiner besten Seite: lebendig, offen, freundlich, und vor allem sicher. Keine Selbstverständlichkeit in Mittelamerika.

Bis auf eine Ausnahme – wenn auch der kuriosen Art. Eines Nachts wurden wir durch hysterische Schreie einer Frau auf dem Innenhof unserer Gastfamilie wach. Total konsterniert sammelten wir uns und verfolgten das Geschehen. Als wenig später eine aufgebrachte, ziemlich gefährlich klingende Männerstimme dazu kam und es sich nach einer körperlichen Auseinandersetzung anhörte, kratzte unser Puls bereits die 100er-Marke. Die Schreie der Frau wurden hektischer und lauter. Für uns klang das schon ziemlich nach Todesangst. Als ich wenig später auch noch „alemán“ (Deutscher) und „Donde esta el dinero?“ (Wo ist das Geld?) vernahm, war es um meine Gelassenheit geschehen. Draußen wurde es immer lauter und bewaffnet mit dem Schweizer Taschenmesser meines Opas wollte ich Andrea schon unter das Bett schicken. Nach einer Weile kehrte dann doch Ruhe ein. Insbesondere Andrea’s Puls blieb dennoch die ganze Nacht am Anschlag. Am nächsten Morgen dann die Aufklärung: Ein besoffenes Studenten-Pärchen war nachts spät in ihre Bleibe zurück gekommen. Dabei ist das Mädel gestürzt und hat sich entgegen unseren Annahmen doch keine schwereren Verletzungen zugezogen. Die lautstarken Diskussionen gipfelten anscheinend auch in körperlicher Gewalt. Vom „alemán“ war dementsprechend keine Rede, und wegen des Geldes: ihr Freund war so erbost, dass sie angeblich 20 Dollar verloren hat, dass er sich in Rage redete. Wieder mal alles gut gegangen. Zu unserer Verteidigung, den anderen Bewohnern erging es ähnlich wie uns. Resultat für die Studentin: sie musste noch in der Nacht ausziehen… Aber zur Ruhe kommen, sollten wir dennoch nicht. Direkt am nächsten Tag sprang mich ein Skorpion an, der in einem der kaputten Kinderbetten seine Bleibe hatte. Der beherzte Einsatz der Direktorin macht dem Tier jedoch sofort den Garaus. Was für ein Tag.

Nun weiter zum Spanisch-Kurs: Jeweils im Anschluss an unsere Arbeit im Kindergarten, büffelten wir im Innenhof eines Restaurants fleißig Vokabeln und Grammatik. Andrea hatte bereits 2 Semester Spanisch in der Uni gelernt (wenn auch vor 4 Jahren) und ihr fiel es deutlich leichter. Dennoch ist es erstaunlich, welche Fortschritte man allein in 3 Wochen macht. Meinen Kenntnisstand würde ich nunmehr über dem von meinem Schulfranzösisch ansiedeln – und das nach 5 Jahren. Diskussionen mit Einheimischen sind dennoch eine Herkulesaufgabe. Während Andrea teilweise schon recht flüssige Konversation führte, konnte ich hauptsächlich bei Unterhaltungen Erfolge verzeichnen, deren Richtung ich selber beeinflussen konnte. Dieser Sprachkurs soll auch nicht der letzte gewesen sein. Irgendwo in Südamerika werden wir sicherlich nochmal die Schulbank drücken. Wir werden euch informieren…

Sven

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