Segeltörn San Blas

So eigentlich hatten wir vor, einige Tage in Panama zu bleiben, um uns etwas umzuschauen. Aber wie es halt immer so ist, es kommt alles anders als man denkt. Im Hostel angekommen, mussten wir schnell feststellen, dass unsere geplante Überfahrt mit dem Segelschiff von Panama nach Cartagena (Kolumbien) sich entweder um zwei Wochen verschieben würde oder nicht stattfinden kann. Hierbei muss man wissen, dass es keinen Weg über Land nach Kolumbien gibt. Endweder man fliegt, segelt oder wird beim Versuch, durch das von Guerillas besetzte Gebiet Darien zu reisen, festgenommen. An diesem Punkt kommt der Deutsche Jan ins Spiel, den wir in unserem Hostel in Panama City getroffen hatten. Dieser meinte, warum denn mit einem kleinen Schiff übers offene Meer, wenn man fünf Tage Karibikinseln haben könnte und halt nur nach Sapzurro (auch Kolumbien, aber direkt an der panamesischen Grenze) fährt. Einziger Nachteil, unsere Spontaneität war gefragt, denn das Schiff legte genau einen Tag später ab.

Hmm, das ging irgendwie verdammt schnell, aber nach der kaufmännischen Meinung von Jan, welcher in der Touristbranche tätig ist, hatte das deutsche Segelschiff „Stahlratte“ [mehr] eh nur Vorteile: erstens deutscher Kapitän, deutsche Wartung, zehn Mal so groß wie die anderen Nussschalen bei gleicher Personenanzahl, echter Stahl von 1903 und richtig viele Segel. Also hilft ja nix, schwupps gebucht und am nächsten Tag um fünf gings los. Mit einem leicht beflügeltelten Jeepfahrer bis zu Ostküste und direkt aufs Boot. Nach einer kurzen Einführung gabs ein herrliches Frühstück mit Müsli, Nutella und selbstgemachtem Brot. Was will man mehr. Und so erlebten wir fünf Tage Karibik von allen Seiten: frischen gegrillten Lobster auf einer einsamen karibischen Insel mit viel Rum und der Britschen Nationalhymne unser Englischen Freunde, leuchtendes Plankton, nachts betrunken im Meer schwimmen, mit einer Magen-Darm-Grippe über der Reling hängen, den Witzen des Hippiekapitäns lauschen, mit den anderen Nationen an Bord essen, spielen, erzählen und einfach nur bis in die Nacht Rum trinken…

Highlight der ersten Nacht: gegen fünf wurden wir durch einen lauten Knall und die Wort „Jesus Christ“ geweckt. Ich dachte: von wegen Stahl, jetzt bricht dieser Kahn doch auseinander, Sven dachte: unser etwas betrunkener Engländer ist von Deck in die Kajüten gefallen (er war derjenige, der geschrien hatte). Endergebnis, der zweite Anker wurde gesetzt, weil ein karibischer Sturm namens „Hühnerarsch“ (so nennt man das im Fachjargon) uns mit voller Breitseite erwischt hatte. Unser Engländer hatte nach Meinung seiner Freundin einfach maßlos überreagiert. Wer kann es ihm verdenken, er wurde aus den Tiefen seiner Träume gerissen… Nicht schön, so geweckt zu werden, aber ein zerbrochenes Schiff wäre wohl schlimmer. Der Sturm war auch schnell vorbei und alles konnte seinen normalen Gang gehen. Denn so plötzlich der Sturm kommt, so schnell ist er auch wieder weg.

Und so segelten wir fünf Tage, leider meist mit Motor, an der Genze von Panama dahin, hatten sogar einen Alibi Delphin und kamen dann irgendwann im glasklaren Wasser von Sapzurro an.

Andrea

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s