Chachapoyas / Kuelap

Manche Dinge brauchen Ihre Zeit: Wein, Frauen und Busfahrten in Peru. Nach Grenzüberschreitung brauchten wir ernsthaft einen ganzen Tag für eine ca. 250 km lange Strecke.  In kleinen viel zu engen Bussen musste sich Sven  wie ein Akkordeon falten und ich hatte ernste Probleme meinen müde gewordenen Kopf bei dem Gerüttel zu organisieren. Einziges Highlight: ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Ornithologen kennen gelernt (ja das waren die mit den Vögeln, diverse Witze dazu lass ich mal lieber stecken) – Jason (31) aus den USA. Als Pendant dazu der immer mit Geschichten beladene Kanadier und Rentner  John (62), dessen Lieblingsbeschäftigung es war sich über die Amis lustig zu machen.  Also bekamen wir zwei lustige und interessante Weggefährten nach Chachapoyas. Doch bis dahin war es eine lange Reise und wir mussten erst den unaussprechlichen Ort Jaen passieren (das J etwa wie CH in Bach und dann [chajän]- unmöglich für unsere englischsprachigen Reisegefährten). Laut, voll und staubig präsentierte sich unsere zweite peruanische Stadt. Also schnell weiter, diesmal mit dem Auto.

Endlich in Chachapoyas angekommen konnten wir ein in die Jahre gekommenes Kolonialhaus unser Heim auf Zeit nennen. Der zentrale Platz konnte den vergangenen Charme der Stadt auch noch wiederspiegeln, aber ansonsten war auch diese Stadt eher staubig und chaotisch. Das geordnete und meist ruhige Stadtleben von Ecuador hatten wir also wirklich hinter uns gelassen. Hier huschen die Autos nur so vorbei und den Peruaner liegt immer ein Gringospruch auf den Lippen. Wenns dafür nicht reicht, wird auch schon Mal gepfiffen oder ein intelligentes HEY hinterhergerufen. Tja unsere Tarnung ist wohl aufgeflogen.

Am nächsten Tag ging es dann nach Kuelap. Unser Reiseführer sagt, dass diese Ruinen in ihrer Pracht nur durch Machu Picchu übertroffen werden und das für ein Bruchteil des Geldes. Anscheinend haben die Touristenschwärme nur Augen für die Nummer eins. Jährlich kommen nur 11.000 Einheimische und 5.000 Touristen hierher. Man beachte, dass über Machu Picchu täglich bis zu 1.000 Menschen wie die Heuschrecken einfallen. Unser Vorteil. So konnten wir die fantastischen Überbleibsel dieser präinka-Zitadelle hoch in den Bergen ganz in Ruhe bewundern. Diese wurden von den Chachapoyas zwischen 900 und 1100 auf 3.000 m Höhe errichtet. Sie regierten dort bis die Inka 1470 kamen und fast alle von ihnen vertrieben oder getötet hatten. Tja, auch die Inka hatten nicht wenig Blut an ihren Händen kleben.

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Die Stätte an sich wird heute von Lamas bewohnt und ist sehr bewachsen, was aber auch seinen mystischen Reiz ausmacht. Man findet noch heute verschiedene Ebenen und Bereiche, die die verschiedenen gesellschaftlichen Stellungen voneinander trennten. Zu Neudeutsch: das Bergpanorama gab es nur für Leute mit Geld. Weitere Interessante Infos: als Heizung wurden Meerschweinchen unter dem Bett positioniert und das Loch im Boden war nicht etwa die Toilette, sondern der Ort wo man seine Mumien begrub. Was ist wohl besser: die Toilette oder den toten Opa vorm Bett?

An dieser Stelle müssen wir jetzt wahrscheinlich auch einige schocken. Passend zum Thema, auch wenn es vollkommen unangebracht ist: wir fahren nicht nach Machu Picchu!!!! (Schock) Zu teuer und es dauert zu lange um hinzukommen (durch die Fahrt nach Cusco). Wir haben auch lange überlegt, aber für uns macht es einfach keinen Sinn. Mit unserem Budget können wir uns die enormen Preisvorstellungen des Peruanischen Kulturministeriums einfach nicht leisten. Das machen wir dann, wenn wir entweder alt und reich oder  unter den richtigen Geldverdienern sind. Für uns zählt auch das zweitschönste.

So zurück zum Thema: nach der Erkundung gings Heim auf das ein oder andere Bier mit dem Ornithologen, dem Rentner und einer zu uns gestoßenen Deutschen mittleren Alters. Der Abend versprach witzige Bars mit Vorhängen für jeden Tisch, viel Bier, lokalem Schnaps und lustige Gespräche. Die Mischung macht’s!!!

Andrea

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