Isla de Ballestas / Huacachina

Was in Lima begann, setzte sich auch auf unserem weiteren Weg fort: die Küstenwüste Perus. Kaum grün, nur Staub, Stein und nebenan das Meer. Ein bizarrer Anblick. So kamen wir in Pisco an. Zum trockenen Klima kommt hier noch dazu, dass die Stadt und das umliegende Gebiet 2007 von einem schweren Beben fast vollständig zerstört wurden. Hunderte Menschen kamen hier ums Leben, einige davon in der Kirche bei der Messe als plötzlich das Dach einstürzte. Und was hat der peruanische Staat getan? Wie es scheint nichts: noch heute, 5 Jahre danach, kann man Spuren des Erdbebens überall entdecken. Schlechte Infrastruktur, halbeingestürzte Häuser und eine Kirche, die noch immer so manches Leid erzählt. Auch hier fiel es uns schwer, uns heimisch zu fühlen.

Aber Ziel dieser Reise war ja auch die Insel Ballestas, das Galapagos für Arme, Teil 2. Pinguine, Seelöwen, Delphine, Tölpel und, und, und. Da musste ich einfach hin. Das einfachste war eine Tour zu buchen, um uns so etwas Stress zu ersparen, denn den Hauptpreis am Dock mussten wir eh alle bezahlen. Wir wurden morgens in einem passablen Bus direkt vom Hostel abgeholt. Keine halbe Stunde später wurden wir ausgeladen und in Gruppen aufgeteilt.

Der Anblick der uns jetzt erwartete, kann ich eigentlich nur auf eine Art beschreiben: da ich dank nur eines Fernsehers in meiner Familie und der Tatsache, dass ich leider das letzte Glied in der Fernsehprogrammbestimmung war, ein Kind der Generation Star Wars, Star Gate und Star Trek in allen Varianten bin, möchte ich die folgende Szenerie mit einem Angriff der Borg beschreiben. Wer die Borg aus Star Trek Enterprise nicht kennt, hier ein kurzer Einblick: Die Borg sind keine selbstdenkenden Wesen, sondern werden von einem kollektiven Bewusstsein und der Borg-Königin geführt. Sie treten immer in riesigen Schwadronen auf und nehmen alles ein, was ihnen unter die Finger kommt. Jedes Individuum wird assimiliert und zum gefühlslosen Borg. So wurden wir also nun von einer fremden Macht zu unseren Booten alias Kubussen geführt. Riesige Massen von Touristen alias Borg folgten uns auf die Boote. Dann ging die Reise los. Eine Stunde zur Insel. Auf dem Weg haben wir einen Delfin gesehen und aus mir noch unerklärlichen Gründen, haben wir sogar kurz gestoppt. Aber nur so lange bis einige Boote uns eingeholt hatten. Bloß keine Zeit verlieren. Auf dem Rückweg haben wir dann mindestens 2 Gruppen von Delfinen gesehen (wieviel Glück haben wir denn???), aber unserem individuellen Wunsch Anzuhalten konnte nicht nachgegangen werden. Das steht so nicht im Protokoll. Warum auch, wegen solch ein paar Fischen anzuhalten, wäre ja auch albern.

An der Insel angekommen, machte sich ein leicht gülliger Geruch breit. Warum? Auf der Insel hausen hunderte bis tausende Seevögel, Pinguine und Seelöwen. Und wie jedes größere Lebewesen haben auch sie Ausscheidungen. Diese werden natürlich ganz brav überall verteilt. Nach Jahren kann man dann von der eigentlichen Insel kaum noch etwas erkennen und hat somit einen riesigen Kackhaufen vor sich. Der Kackhaufen wird von den Peruanern sogar als Industriezweig genutzt: genannt Guano. Man nehme Kacke, sammle sie und nutze sie als Dünger: ein bekanntes Prinzip. Natürlich kann man den Tieren keinen Vorwurf machen, dass sich kein Grashalm mehr auf die Insel verirrt. Auch die Tiere selbst leiden darunter, weil die umliegenden Gewässer schon völlig verdreckt sind, hinzukommen die Ausdünstungen der Boote. Da schwimmt schon mal der ein oder andere Seelöwe tot an der Oberfläche rum. Schwund gibt es ja überall… Manch Pinguin sah auch etwas räudig aus. Vielleicht war das nur ein besonders hässliches Exemplar, vielleicht ist es aber auch ein erstes Anzeichen von Überbevölkerung. Manchmal glaube ich, die Tiere werden bestochen, damit sie dableiben, anders kann ich mir das nicht erklären. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass es aufregend war, die Tiere so nah beobachten zu können. Naja zumindest, wenn das Boot mal etwas langsamer geworden ist. Vielleicht war ich an dem Tag etwas negativ eingestellt, vielleicht habe ich aber auch mit manchen Beobachtungen recht. Denn ich denke, dass diese Massenabfertigung von hunderten/ tausenden Touristen einfach nicht gut für die hiesige Umwelt sein kann. Spätestens hier haben wir jetzt den erstens Kontakt zum Massentourismus gemacht… Sicherlich sind wir beide auch nur stinknormale Touristen und nicht anders als alle anderen, aber wir werden es uns das nächste Mal zwei Mal überlegen, ob wir solche Tour nochmal mitmachen möchten. Irgendwo auf der Welt muss man doch noch Tierbeobachtungen machen können, ohne diese dabei zu stören oder gar die Umwelt zu vergiften. Ich suche immer noch nach meiner perfekten Ruderbootexpedition…

Krönender Abschluss unserer Borg-Expedition: statt in unserem passablen Bus zurück zu fahren, wurde wir in eine Schrottkarre umgeladen. „Nein, nein, dieser Bus fährt sie nicht zurück nach Pisco!“ Vollkommen frustriert wurden wir dann einfach irgendwo im Ort aus dem Karren wieder rausgeschmissen… Kopfschütteln inklusive!

Wir wollten unseren Touristenmut natürlich nicht unterkriegen lassen und so fuhren wir am gleichen Tag weiter nach Huacachina. Dieser Ort gleicht einem Märchenort. In der Nähe des Meeres türmt sich plötzlich eine riesige Sanddüne auf. Meterhoch und mit Kilometerausmaßen. Einfach so steigt eine Sandwüste aus dem Nichts in einer sonst flachen Steinwüste auf. Ach ja, was fehlt noch im Märchen – eine wunderschöne Oase: tah dah. Auch das gibt es, nennt sich dann Huacachina. Sven ließ es sich nicht nehmen und fegte sofort die Sanddünen auf einem Sandboard in einem atemberaubend langsamen Tempo hinunter. Nicht schlimm, dafür konnten wir ein paar großartige Bilder ohne Verwackeln machen. Dieser unwirkliche Ort hat uns wirklich gefallen und so genossen wir noch einen Pisco Sour (ortstypischer säuerlicher Cocktail) und begaben uns von Ica aus nach Arequipa. Am Ende auch glücklich nicht von den Borg für immer assimiliert worden zu sein.

Andrea

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