Apfel ahoi in Motueka II

Nachdem wir euch das letzte Mal berichteten, wie wir in unserer Heimat auf Zeit Motueka leben, möchte ich euch jetzt erzählen, wie wir die letzten fünf Wochen gearbeitet haben.

Unser Tag fing 7:30 Uhr im Packhouse an. Mit einer Tröte wurden wir zu unseren Arbeitsstellen gerufen. Wehe dem einer kam zu spät, dann sind die ersten Äpfel schon in den großen Förderbändern verschwunden. Es gab drei Pausen und gearbeitet wurde bis 17:30 Uhr. Allen Schnellrechner ist hier bestimmt aufgefallen, dass wir sagenhafte 10 Stunden gearbeitet haben. Ich weiß, wir Ärmsten. Ich habe dabei als Grader (Aussortierer) gerabeitet. Dabei musst ich die guten von den schlechten Äpfeln trennen. Ja richtig, wie das kleine Aschenbrödel. Zumindest weiß ich jetzt, wie sie sich gefühlt haben muss, denn auch wir hatten eine böse Aufseherin: Kay. Dank ihr haben wir so manche Schweißperle bekommen. Ich musste zudem feststellen, was für ein undankbarer Job ein Grader hat, denn schmeißt man zu wenig weg, gibt es Ärger, schmeißt man aber zu viel weg, auch. Leider sind Menschen nicht so leicht zu justieren wie Maschinen. Da wurde schon das ein oder andere Mal mit uns geschimpft.

Naja aber weiter im Text: Danach kamen die Äpfel zu den Packern (der deutsche Name erklärt sich von selbst). Dort wurden sie erneut kontrolliert und dann in Kisten oder Kartons gepackt, um dann von den Stackern (Stapler) wie Sven auf Paletten gepackt zu werden. Und das Tag ein Tag aus. Als Abwechslung gab es ab und an mal Birnen, aber sonst nur Äpfel: rote, gelbe und grüne… und das sechs Tage die Woche.
Das der Job nur etwas für die ganz Harten ist, bewies Paul. Paul ist ein dänischer Auswanderer und der Onkel von Pete, unserem Chef. Er selbst war in wie wir lange als Backpacker unterwegs, ehe er mit seinem Bruder Land in der Nähe von Auckland aufkaufte. Er kam fast täglich und half mal hier und mal dort. Nur an ganz schlechten Tagen entschuldigte er sich bei Pete, dass er heute nicht so viel helfen kann. Was man dazu sagen muss, Paul ist 89 Jahre alt. Ein großartiger Mann, der uns gerne von seinen Frauen erzählte.

Und so strichen die Tage und Wochen ins Land. An unserem spärlichen Wochenenden gingen wir mit einem deutschen und einem englisch-amerikanischen Pärchen ins Kino oder genossen die herrliche Umgebung in den Obstgärten. Bei unseren Kinobesuchen (‚Iron Man 3‘, ‚Star Trek – Into Darkness‘; großartige Filme übrigens) haben wir auch wieder neuseeländischen Charme erlebt. Denn bei ‚Iron Man 3‘ gibt es ein verstecktes Ende (pssst, nicht verraten) und wir blieben tapfer bis zum Ende. Danach fragte uns der Kinobesitzer – das Kino hatte sage und schreibe einen Saal – woher wir das denn wussten. Ein Gespräch folgte auf dem Fuß. Das Ergebnis dieses Gesprächs war, dass er uns seinen Projektorraum zeigte und uns das neue Kinosystem erklärte. Denn ‚Der Hobbit‘ war der letzte Film, der noch auf einer Filmrolle erschien. Heut zu Tage läd er nur noch die Datei des Films herunter. Das besondere: er kann den Film dann noch nicht abspielen. Er muss erst einen Playbuton herunterladen, um den Film starten zu können. Und das täglich, denn der gilt nur für ein einziges Mal. Verrückte Welt, denn was macht er, wenn der Satellit abstürzt, mit dem er sein Internet bezieht? Immer wieder ‚Der Hobbit‘ zeigen???

An unserem letzten Wochenende haben wir dann den perfekten Tag erlebt. Nach dem wir am Samstag unsere Firmenabschlussfeier mit einer Überzahl an fotogeilen Asiaten verbrachten, trafen wir uns mit Pete und Peppa (unserem Chefpärchen) und den zwei anderen Pärchen zum Brunchen bei uns in der Küche. Neben Blumen standen Frenchtoast, Eier-im-Toast, Eierkuchen, Rüherei (jaja, unser Cholesterinspiegel stieg danach drastisch an), Bacon, Würstchen und Apfelcrumble auf dem reichgedeckten Tisch. So schlemmten wir bis in den Nachmittag hinein. Danach lud uns unser Chef zum Quadfahren mit Besuch beim Minigolfplatz ein und wir genossen einen Spaziergang zu unseren Freunden dem Pferd und der Kuh (die wir sonst täglich auf unserem Weg zu Arbeit streichelten, ja auch die Kuh). Zum krönenden Abschluss gab es eine Filmvorführung mit heißer Schokolade und Pop Corn. Ihr müsst also nicht zu viel Angst haben, dass uns die Arbeit übermannt.

So und bei unserem nächsten Beitrag, erzählen wir euch dann, wie man aus Äpfeln Kiwis macht.

Andrea

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