Roadtrip mit den Jobstingern

Was tut man, wenn das Heimweh zu stark wird? – Man lässt einfach seine Eltern einfliegen. Ich weiß, das ist recht dekadent, aber was kostet die Welt? J Und so standen am 25.3. meine Eltern am Flughafen in Christchurch. Für ca. 28 Stunden Flug sahen die Beiden sogar besser aus als gedacht. Und so konnten wir sie nach einer Dusche und etwas Essen locken, sich mit uns noch Christchurch anzuschauen. Im Botanischen Garten aßen wir idyllisch unser Picknick und zeigten ihnen das quasi nicht mehr vorhandene Zentrum. Für meinen Vater gab es danach endlich das ersehnte Bierchen und nachdem meine Mutter am Tisch eingeschlafen war, brachten wir die Beiden zurück zu unserem neuen Heim. Keine fünf Minuten später sägte meine Mutter auch schon die ersten Bäume in ihrem kleinen Wäldchen.

Somit begann eine fast drei Wochen lange, wunderschöne und abenteuerliche Rundreise mit meinen Eltern. Es sollten viele aufregende Ereignisse vor uns liegen.

So setzen wir meine Eltern am nächsten Tag in den Zug durch die neuseeländischen Alpen. Diese zählt zu den schönsten Bahnstrecken der Welt. Leider wollte das Wetter an diesem Tag nicht ganz mitspielen. Durch Regen und Wolken folgten wir der Bahn mit unserem Camper auf der Parallelstraße bis nach Greymouth an der Westküste, um die zwei glücklich Strahlenden wieder einzusacken. Die Fahrt über den Arthurpass gehört mit zu den Highlights der Südinsel. Trotz der vielen Wolken haben wir die Stimmung gehalten und konnten am Strand der Westküste einen wundervollen Sonnenuntergang genießen, und ja Papa auch sein Bierchen.

Im Zickzack ging es weiter über die Insel, vorbei an den Pancake-Rocks. Dort bestaunten wir erneut eines der letzen geologischen Geheimnisse. Die eierkuchenartigen Gebilde sind einmalig auf unserem kleinen Planetchen. Nach einer Rast an den Nelson Lakes, ging es bis nach Picton in die Malborough Sounds, wo wir mit den beiden einen ganzen Tag Kajak gefahren sind. Nachdem allen fast die Arme abgefault waren, wurde am nächsten Tag die Po-Muskulatur trainiert. Mit dem Fahrrad ging es durch die Weinberge Blenheims mit mehreren Weinverkostungen. Leider stand das Fahrrad fahren im Vordergrund, was meine Mutter daran zweifeln ließ, ob sie hier auch wirklich Urlaub gebucht hatte, oder Fitnesstraining mit Sven. Letzteres traf wohl eher zu.

Die Tortouren für meine Mutter nahmen auch kein Ende. Denn auf dem weiteren Plan stand eine dreitägige Wandertour durch den Abel-Tasman-Nationalpark. Dieser gehört zu den schönsten in ganz Neuseeland. Die Wanderung versprach uns wunderschöne Strände, herrlichen Regenwald und Sonnenaufgänge, die farbenfroher nicht hätten sein können. Das wir in Hütten mit 14 anderen schlafen werden würden, haben wir meinen Eltern absichtlich vorenthalten. Man hätte annehmen können, dass das nun vollständig ihre Vorstellungen von Urlaub zerstört hätten. Nach den anstrengenden Wanderungen fiel bei meinen Eltern dieses Detail schon nicht mehr ganz so ins Gewicht. Glück gehabt. Das bestehende Schnarchverbot wurde auch gepflegt von einigen Mitreisenden außer Acht gelassen. Etwas wollten meine Eltern wohl auch uns leiden lassen. Verständlich, denn meine Mutter haben wir schön mit geschwollenem Knöchel ca. 40 km gescheucht. Dennoch haben alle die Tour genossen. Traumstrände findet man nicht an jeder Ecke.

Ein Ereignis folgte dem anderen. Der letzte Tag unserer Wanderung sollt nicht unser bester sein. Erst schüttete es ganze Eimer, dann fuhren mit dem Boot über Wellen, die eher das Gefühl erweckten auf einer niemals endenden Achterbahnfahrt zu sein und zu guter Letzt meinte ein LKW-Fahrer, dass unser Wohnwagen etwas klobig wäre. Er nahm das Zepter in die Hand, drängte uns leicht von unserer Fahrbahn und schwupp war unser Gefährt gleich windschnittiger. Zum Glück hat mein Vater bei dieser prekären Lage (unser Auto war direkt am Hang) gut reagiert, sonst hätten wir wohl ein großes Panorama-Fenster gehabt. Unser Autovermietung sah das ganze gelassen cool, reparierte das nötigste und gut war. Neuseeland ist so schön. Auf dem Weg nach Christchurch, wo wir einen Reparaturstopp einlegten, genossen wir noch die herrlichen heißen Quellen in Hamner Springs. Wenigstens für meinen Vater bedeutete das endlich Urlaub. Unsere nächsten Stationen waren das wunderschöne Dunedin (ausgesprochen ‚Dahniedn‘) und Queenstown. Im letzteren erlebten wir vier wohl einen der schönsten Tage unseres bisherigen Lebens: mit dem Flugzeug ging es von Queenstown über die Alpen Richtung Milford Sound. Karge Täler, schneebedeckte Berge bis hin zu den waldbehangenen Felsen des Milford Sounds und der tasmanischen See sollten unter uns dahingleiten. Alles wirkte wie aus einer anderen Welt. Unberührte und wilde Natur ist ein seltenes Gut. Hier konnten wir einen Wimpernschlag lang erleben, was Neuseeland wirklich alles zu bieten hat. Im Milford Sound angekommen hingen wir kurz in den Bäumen, um dann eine Bootstour durch  das ehemalige Gletschertal zu machen. Was man von oben erahnen konnte, wurde hier bestätigt. Bei herrlichem Sonnenschein konnten wir die unberührte Natur an den Berghängen betrachten. Mit dem Bus ging es zurück nach Queenstown. Man hätte meinen können, dass dieser Tag ein Traum war. Zum Glück hat das brechende Mädchen hinter mir, mir klar gemacht, dass es das nicht war.

Nach diesem Tag schwebten wir förmlich weiter in Richtung Mount Cook. Eine vollkommen neue Landschaft wartete hier auf uns. Gletscher, Schnee, Seen und das riesige Bergmassiv des Mount Cook – seines Zeichens der höchste Berg Neuseelands. An einer schöneren Kulisse kann man kaum schlafen. Fast am Ende unserer Rundreise ließen wir uns endlich Peter Jacksons Meisterwerk näher erklären, denn in Twitzel wurden die Kampfszenen um die Schlacht von Rohan in ‚Herr der Ringe‘ gedreht. Jetzt durften wir auch handanlegen und selber Orks und Co sein. Es stellte sich heraus, dass Papa zum Hobbit geboren war, Mutti Talent beim Fahnen halten zeigte und Sven einfach der beste Ork der Welt ist. Jeder hat seine Bestimmung. Ich ringe noch mit mir, ob ich eher eine Elfe oder ein Zwerg bin. Sven tendiert zu Zwerg.

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Und so machten wir unsere letzte Wanderung über die goldenen Felder vom Lake Tekapo und meine Eltern besichtigten noch den Wildlife Park in Christchurch. Beim Abschlussgrillen wurden alle sentimental, da der gemeinsame Urlaub sich dem Ende neigte, und nachdenklich darüber, ob das Lamm auch wirklich durch war. Tapfer hielt ich die Tränen beim Abschied zurück und konnte sie auch bis zum Wohnwagen unterdrücken. Eine schönere Zeit zusammen hätte man sich wohl nicht wünschen können und so danken wir beide meinen Eltern für die wunderschöne und verrückte Zeit zusammen. Wir haben sie wirklich genossen. Und fürs nächste Mal wissen wir jetzt: Mutti kriegt keine Fahrrad mit Männerstange und ohne Rücktritt… Am besten kriegt sie gar kein Fahrrad.

Andrea

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