Roadtrip mit den Kiefels

In Neuseeland mit einem Gepäckstück weniger angekommen, wurden wir gleich von Alex und Danny begrüßt. Jetzt werden sich manche fragen, wer das denn ist? Also die Beiden sind alte Freunde von Sven aus Stendal. Aber inzwischen kenn ich die beiden auch schon besser, da wir mit ihnen zusammen Silvester in Brüssel und Rom verbracht haben, sowie zu ihrer Hochzeit an der Ostsee waren. Also wie gesagt, man kennt sich…

So Schluss jetzt mit der Vorrede und zum Geschehen. Unser Heim für die nächsten Tage sollte der kwietschegrüne Juicy mit lila Untermalung sein. Man kann sich sicher einen größeren Camper vorstellen, zumal wenn man wie die beiden in den Flitterwochen ist, aber einmal in der Juicy-Familie angekommen, wurden wir überall gegrüßt und es wurde gewunken was das Zeug hält. Und jeder hatte sich schnell an die vorherrschende Platzenge gewöhnt. Versteht mich nicht falsch, wir hatten wirklich Spaß zusammen. Aber einige können sich ja vielleicht noch an Urlaube zu sechst oder siebend im Trabbi erinnern. Da hatte man auch Spaß, nur halt nicht immer den Platz den man brauchte. Uns so schliefen Sven und ich unter Deck. Umdrehen hatte dabei immer etwas mit Po im Gesicht des anderen zu tun und so manche Schlafbewegung endete mit einer Beule.

Wie ihr seht, wird das ein etwas längerer Text. Ich war leider noch nie gut im Kurzfassen. Und jetzt stellt euch ein Land wie Neuseeland vor, wie ihr zweieinhalb Wochen rumreist. Tja und nun fasst euch mal kurz. Seht ihr, geht mir nicht besser.

Naja ganz einfach ist es nicht, alle Ereignisse zusammen zu bekommen. Erst Mal mussten Sven und ich den fehlenden Schlaf nachholen, dann den Kulturschock überstehen. Schließlich hatten wir seit Wochen wieder ein Bett Schrägstrich kein Zelt und um etwas in den Läden zu bekommen, mussten wir uns nichts abstammeln, um dann eine unverständliche Antwort in Spanisch zu bekommen. Nein frei raus mit den Worten. Ach und immer schön hingucken, wo das Toilettenpapier hinkommt. Ihr werdet jetzt bestimmt überlegen, was will sie denn jetzt, aber wir haben jetzt acht Monate brav gelernt, das Toilettenpapier in einen Mülleimer neben der Toilette zu werfen. Wenn nicht, hätten wir womöglich alle Toiletten im Umkreis von einem Kilometer zum überlaufen gebracht. Hier in Neuseeland macht man das so wie bei uns zu Hause (das kennt ihr ja). Tja aber nach neun Monaten sucht man dann schon mal verzweifelt den Mülleimer. Wie war das mit dem Pawlowschen Hund? Naja, aber alles gut. Jeder Kulturschock geht irgendwann mal weg. Dann sagt man auch nicht mehr „Hola“ und „Gracias“ zu den Kassierern.

So nun ging es erst mal nach Akaroa ans Meer bei Christchurch. Wir mussten nämlich noch auf das verlorene Gepäckstück von Sven warten. Irgendwann vollzählig fuhren wir durch den landwirtschaftlich stark genutzten Osten gen Westen. Bei morgendlichen und abendlichen Wanderungen lernten wir Neuseeland besser kennen. Und überall waren riesige Seen, die wenigstens die männlichen Reisenden zum Baden einluden. Die Landschaft änderte sich so schnell und Stadtnamen sind wie Schall und Rauch, dass ich ehrlich gesagt gar nicht mehr weiß, wie wir nach Queenstown gekommen sind. Ich weiß nur noch, dass es schön war und eine Menge Seen dazwischen lagen. Vor Queenstown standen wir quasi am Tor zum Milford Sound. Die Reise zu dem wohl bekanntesten Fjord Neuseelands war schon eine eigene Tour wert. Vorbei an Orten, die stark an „Herr der Ringe“ erinnerten und eine Magie ausstrahlten, dass wir gar nicht wussten, wo wir zuerst hinschauen sollten. Angekommen am Sound schauten wir uns etwas um und schliefen stilecht, während die Kiefels eine Bootstour unternahmen. Ich sag ja, wir mussten viel Schlaf nachholen. Im Eiltempo gings dann entlang der Westküste, an einem rauen aber wunderschönen Küstenstreifen Richtung Norden, vorbei an den witzigen Pan-Cake-Rocks (Felsformationen, die an Pfannkuchen erinnern, daher der Name), dem Fox- und Franz-Josef-Gletscher, durch Obst- und Hopfenanbaugebiete und malerischen Landschaften. Am Abel-Tasman-Nationalpark genossen wir das herrliche Wetter am Strand und ließen es etwas langsamer angehen. Hier merkten wir beiden glaube ich erst, dass wir wirklich in Neuseeland angekommen sind. Picton in den Malboro Sounds war dann unser absolutes Highlight. Mit abenteuerlich gebackenen Muffins und einer Kajaktour feierten wir Svens Geburtstag und genossen die unglaubliche Umgebung. In Kaikoura angekommen, kaufte ich mir Wolle zum Stricken und die Kiefels machten sich zu einer Waltour auf, erst mit dem Boot, dann mit dem Hubschrauber. Um unser kleiner werdendes Budget zu schonen, habe ich darauf verzichtet, auch wenn es schwer fiel. Da kaufte mir Sven lieber die Wolle. Einen lebendigen Pottwal zu sehen, wär schon was, aber die Preise kann ja keiner bezahlen. Naja und so schliefen Sven und ich auf dem Parkplatz, während die anderen beiden, das Meer und seine Bewohner entdeckten.

Tja und zwei Wochen und ein paar zerquetschte Tage später kamen wir wieder in Christchurch an. Trotz Platzmangels hatten wir uns alle immer noch lieb und genossen die Abende bei dem ein oder anderen Canasta-Spiel und einer Tüte Chips. Beim Abschied nehmen musste ich mir dann eins zwei Tränen wegblinzeln. Tja Emotionalität gehört halt zu meinen Stärken. Aber wie ihr bei den Fotos sehen könnt, hatten wir eine schöne Zeit. Wenn man Sven und Danny manchmal so anschaute, kann man schon an zwei unzertrennliche Spielgefährten denken. Männerfreundschaften sind halt nicht zu ersetzen. Und so strahlte Sven über beide Wangen, dass er endlich jemanden gefunden hatte, mit dem er endlos Steine plätschern lassen konnte und dass er bei jeder Wassertemperatur nicht alleine ins Wasser musste.

Lieben Dank an die Beiden. Es war eine schöne Zeit und ein bisschen Heimat auf unserer Reise.

Andrea

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4 Antworten zu Roadtrip mit den Kiefels

  1. Al&DaKie schreibt:

    War auch schön mit euch:)
    Interessant fanden wir auch, wie Sven die Freundschaft der Neuseeländer getestet hat in dem er seine Kamera am See eine Stunde unbeobachtet zurück gelassen hat ;))
    viel spaß noch und weiterhin viele unvergessliche Eindrücke =)

  2. jakob schreibt:

    Hahaha Andrea! Kann mir bildlich vorstellen, wie schwer es dir fiel auf die Waltour zu verzichten! Wunderschoene Fotos!! (Hast du manchmal mit dem Weissabgleich gearbeitet? 😉 )
    LG aus Peru!

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