Vang Vieng

Willkommen in einer neuen Welt – und das auf holprigen Wegen. Kurvenreiche, steile Serpentinen führten uns nach beschwerlicher Fahrt nach Vang Vieng, dem ehemaligen Mekka für alle Schulabgänger, die in Laos mal so richtig einen  drauf machen wollten. In LKW-Reifen ließen sich betrunkene Jugendliche in reißenden Strömen durch die traumhafte Landschaft treiben. Alle paar Meter stand der Besuch einer Riverbar auf dem Programm – kostenloser Schnaps inklusive. Mit steigendem Alkoholpegel sank die Hemmschwelle der Touristen, so dass selbst Sexszenen auf den Flüssen an der Tagesordnung standen, sehr zum Leidwesen der Einheimischen.
Dazu muss man wissen, dass die Loaten sehr tolerant sind. Andere Religionen, Homosexualität und die Gleichstellung der Frau sind keine streitbaren Themen für einen Laoten. Jeder nach seiner Gesinnung. Dennoch ist Respekt ein wichtiger Punkt in ihrer Kultur. Dazu gehört, dass man sich angemessen anzieht, nicht laut herumschreit und sich nicht in der Öffentlichkeit küsst oder jegliche Art von Zärtlichkeit austauscht. Dies wird als respektlos und obzön empfunden. Nun stelle man sich halbnackte Jugendliche, besoffen gröhlend vor, die dann auch noch unverfrohren Sex in der Öffentlichkeit haben. Für ein so friedvollen Volk der wahre Alptraum.
Auch exzessiver Drogenkonsum (Opium, Heroin, Marihuana – in Massen eingeschleust aus China) gestaltete das Bild in Vang Vieng. So konnten wir noch heute Warnungen sehen, die dringend davon abraten, Opium mit Zitronensaft zu mischen. Hört, hört… Das Fass zum Überlaufen brachten die vielen Schwerverletzten und unzähligen toten Falangs (Touristen), die im Alkohol- und Drogenrausch beim Ziplining, durch unkontrollierte Sprünge von Bäumen oder Ertrinken ums Leben kamen. Allein im letzten Jahr waren es 26 tote Touristen. Grund genug für die laotische Regierung einzuschreiten. Das geschah am Anfang diesen Jahres. Von heute auf morgen wurden alle Bars knallhart abgerissen, Ziplines abgebaut und den örtlichen Polizisten gedroht, dass wenn sie so etwas nochmal zulassen, sie sich in null-komma-nichts in einem kleinen Bergort irgendwo im Urwald befinden würden. Stattdessen konzentriert sich die Stadt heute auf die besser betuchten Falangs und baut pompöse Sternehotels. Damit scheint ein dunkles Kapitel des kleinen Örtchens endlich geschlossen zu sein.

Jetzt sind die Straßen  ruhig, die Hostels sind immer noch günstig, und erstmals seit Monaten gab es für uns wieder richtiges Brot zu Tiefpreisen. Natürlich wandeln immer noch die ein oder anderen Partygänger durch die Straßen, die natürlich etwas enttäuscht schnell abfahren, aber das stört den Scharm der Stadt nicht.
Die Umgebung von Vang Vieng ist einmalig. Die kleine Stadt ist umgeben von einer atemberaubenden Karstlandschaft. In unmittelbarer Umgebung von saftig-grünen Reisfeldern schießen mehrere hundert Meter hohe Felsen senkrecht aus dem Boden. Diese wiederum beherbergen eine Reihe von beeindruckenden Höhlensystemen, manche mehrere hundert Meter lang.
Also machten wir uns auf eine 14km lange Wanderung durch das Tal zur „Blauen Lagune“ und einer 30m hohen Höhle mit Buddha-Figur. Den eigentlichen Reiz machten allerdings die Menschen am Rande unseres Weges aus. Strahlende Kindergesichter, freundliche Farmarbeiter und interessierte Erwachsene begleiteten uns auf unserem Marsch entlang der Reisfelder. Die sengende Hitze machte uns merklich zu schaffen und so konnten wir es gar nicht erwarten, uns zur „Halbzeit“ eine kühle Erfrischung zu gönnen. Zum Abschluss des Tages genossen wir dann noch ein bisschen Heimat. Denn Vang Vieng hat auch ein deutsches Restaurant zu bieten. Schnitzel, dass eher an „Knoblauch mit Schnitzel“ erinnerte, mit herrlichen Bratkartoffeln servierte uns ein Thailänder, der mit uns in seinem besten Schwäbisch kommunizierte.

Zudem entschlossen wir uns für eine unschlagbare Tagestour. Für gut zehn Euro buchten wir eine Kayak- und Tubingtour. Beim Tubing lässt man sich wie oben beschrieben in LKW-Reifen durchs Wasser treiben. Besonderheit an unserem Ausflug: wir zogen uns an Seilen in das Innere eines spannenden Höhlensystems – Batman lässt grüßen. Und es war mal wieder an der Zeit unsere Vorurteile über Bord zu werfen. Denn unsere Tour machten wir mit Iyar und Nir – zwei netten Israelis. Besonders in Südamerika hatten wir wirklich ein schlechtes Bild der Jugendlichen aus Nahost gewonnen. Unfreundlich, unhöflich, laut und vulgär – das war unser Eindruck. Die Erklärung dafür scheint zwar logisch, macht es aber nicht besser. Direkt nach ihrem Schulabschluss müssen die Israelis zwei (Frauen) bzw. drei Jahre (Männer) ins Militär. Und das ist Beileibe nicht so ein Zuckerschlecken wie in der Bundeswehr, befindet sich ihr Land doch in einem ständigen Unruheherd. Dennoch keine Ausrede für Nacktposen an den wichtigsten Touristenzielen Südamerikas oder rücksichtsloses Verhalten gegenüber jeglichen Normen und Werten. Teile des Torres del Paine, dem wohl schönsten Nationalparks des Kontinents, gingen so durch einen dumm-verursachten Brand auf Kosten eines jungen Israelis. Aber zurück zu unseren beiden Israelis. Selbst ihnen war peinlich, was ihre Eidgenossen dort anrichten, verstehen können auch sie solches Verhalten nicht. Wir waren schnell auf einer Wellenlänger und so vielen nach und nach die Ressentiments von uns ab. Und die Kayak-Tour war ein Traum. Wir bekamen fast einen steifen Nacken, um den steil aufschießenden Felsformationen zu folgen. Von der Natur her war das Umland von Vang Vieng für mich das absolute Highlight unseres Asienaufenthaltes.

Sven

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