Bagan

Wir kommen leider nicht umher, etwas über die Geschichte Myanmars zu berichten. Denn Bagan ist noch heute ein lebendes Geschichtsbuch.

Damit ihr es schnell hinter euch habt, fang ich lieber gleich an. Die Blütezeit von Bagan beschreibt auch das erste Burmesische Imperium. Bagan liegt günstig auf dem Handelsweg von Indien nach China. Mit Ausbreitung des Buddhismus kam auch der Aufstieg des damaligen Reiches Anfang des 11. Jahrhunderts. Man entführte die gesamte Bildungselite aus dem Reich nach Bagan und konnte so auf materielle und kulturelle Ressourcen bis dahin nicht gekannten Ausmaßes zurückgreifen. Mit einer Größe von 40 km² war es eine der größten mittelalterlichen Städte, 15 mal größer als das damalige London. In der 250 Jahre dauernden Friedenszeit bauten die Herrscher 6000 Pagoden unterschiedlicher Größe im Stadtgebiet. Man wollte damit ein Abbild des Zentrum des Buddhistischen Kosmos gestalten. Noch heute können davon 2000 Pagoden auf kleinstem Raum bestaunt werden. Damit ist es eine der größten archäologische Stätte in Südostasien, noch größer als Ankor Wat in Kambodscha. Leider sollte das erste burmesische Imperium, unter anderem auch verursacht durch die Kosten und der Unterhaltung der steuerfreien Tempel, sowie an ausbleibenden Einnahmen aus dem Reich, zu Grunde gehen. Denn man konnte finanziell geschwächt den einfallenden Horden von Mongolen und Thai kaum etwas entgegensetzen. Kein geringerer als der Mongolenfürst Kublai Khan nahm die Stadt 1287 ein. Zum Schutz ließ der Herrscher von Bagan viele Tempel für die Errichtung einer Stadtmauer niederreißen.

Und die Tempel, die noch übriggeblieben sind, wurden nach dem Beben 1975 mit Epizentrum in Bagan stark beschädigt oder zerstört, aber auch Restaurationsfehler zerstörten viele kostbare Wandmalereien. So trug man Glycerin auf einige Gemälde auf, um die Farben zu kräftigen. Leider lieben Ameisen Glycerin und entfernten nicht nur das Glycerin sondern auch halbe Gemälde. Doch auch heute noch wird viel Unfug mit den Pagoden und Tempeln betrieben. So baut das Militärregime Tempel ohne jeglichen Bezug zu alten Vorgaben, quasi frei nach Schnauze, wieder auf. Nicht nur, dass die Gebäude historisch gesehen vollkommen entartet sind, das Militärregime möchte sich somit auch auf die gleiche Stufe, wie die großen burmesischen Herrscher stellen. Im Sinne von, was die konnten, können wir schon lange. Und so entsteht laut eines UNESCO Mitarbeiters ein Disneyland Bagan. Dies ist ein Grund dafür, dass Bagan kein UNESCO Weltkulurerbe ist. Bisher ist die Zusammenarbeit zwischen UNESCO und Regierung wohl zäh wie eine gebratene, alte Milchkuh. Aber ganz ehrlich, der Vorwurf mit dem Disneyland ist für mich ein schlechter Grund (sie haben definitiv bessere), dass Bagan kein Status als Weltkulurerbe erhält, denn was war denn Bagan bitte zu Zeiten der Mon-Herrschaft: eine Pilgerstätte für alle erlebnishungrigen Buddhisten. Und was ist Disneyland heute, eine Pilgerstätte für alle Erlebnishungrigen Adrenalinjunkies (bei den kleinen Kiddies geht’s doch auch nur ums Adrenalin). Ich meine 6000 Pagoden auf 40 km² klingt schon etwas übertrieben.

So und was haben wir in dem ganzen Gewühl aus Pagoden gemacht? Zu dieser Jahreszeit können es hier in der Mittagshitze bis zu 42 °C werden. Daher haben wir in unserem klimaanlagengekühlten Zimmer geschlafen. Nur zu den Morgen- und Abendstunden haben wir uns zwei Fahrräder geschnappt und die verrückte Welt der Mon-Buddhisten entdeckt. Natürlich haben wir uns den ein oder anderen Sonnenauf- oder –untergang nicht entgehen lassen. Genau zu diesen Zeitpunkten entsteht eine Stimmung, die man kaum beschreiben kann. Wenn die Pferdekutschen über den roten Staub jagen, die tiefstehende Sonne das Land in einen golden Schimmer hüllt und die Nonnen zum Beten in die Tempel kommen, dann reist man in einer vergangene und unbekannt Welt, als Burma noch reich und mächtig war.

Andrea

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