Interessante Fakten über das „Goldene Land“

Wir haben euch mal ein paar harte und weiche Fakten über Myanmar herausgesucht. Es gehört sicherlich zu einem der kontroversesten Länder, die wir bereist haben und noch bereisen werden. Es bringt einen zum Lachen und gleichzeitig bringt es einen zum Weinen. Man verliebt sich in das Land, um es dann dafür zu verabscheuen, was dort mit vielen Menschen passiert, die noch heute unter dem Militärregime leiden. Bis zum gegenwärtigen Tage soll man keinen auf die politische Lage in Myanmar ansprechen, weil dies für ihn zu großen Problemen führen kann. Die Menschen übernehmen den westlichen Stil, kaufen Autos oder Motoräder, haben I-Phones, wissen aber vieler Orts nicht wie man sich die Zähne putzt. Ungelogen, es gibt Vorführungen in Bussen, wie man sich die Zähne putzen soll. Um euch vielleicht einen Eindruck zu geben, was wir damit meinen, kommen hier nun einige Fakten, die manchmal zum Schmunzeln anregen, beeindruckend und fortschrittlich, oder die einfach nur zum Kopfschütteln sind. (beliebige Reihenfolge)

Politik:  

  • Seit über 50 Jahren befindet sich das Land quasi ständig unter Militärherrschaft
  • Heute herrschen quasi-demokratische Verhältnisse, es gibt ein Mehrparteiensystem und ein Parlament – Knackpunkt für die, die genau hinsehen: für konstitutionelle Entscheidungen sind mind. 75% notwendig, das Militär besitzt allerdings bereits 25% feste Plätze im Parlament
  • Laut transparency international ist nur der afrikanische Staat Somalia mehr von Korruption befallen als Myanmar
  • Myanmar bleibt trotz aller positiven Entwicklungen (wenn auch marginal kleine) das ärmste Land Südostasiens
  • Über Aung Sang Suu Kyi zu sprechen würde Stunden dauern. Schaut euch einfach den Film „Die Lady“ an. Ein mitreißendes Drama, das leider nicht von Hollywood erfunden wurde. Eine beeindruckende und mutige Frau, die für Demokratie kämpft und dafür 15 Jahre ihres Lebens im Hausarrest verbringen musste. Sie wird oft im selben Atemzug mit Gandhi oder Mandela genannt. Schaut euch bitte den Film an: laut Luc Besson, gibt es keine schönere Liebesgeschichte seit „Romeo und Julia“

Leben & Gesellschaft:

  • Myanmar möchte den Lebensstandart erhöhen: die Regierung möchte jetzt sogar Brücken bauen (Achtung: Ironie!!!) und auch Bankautomaten haben seit einem halben Jahr ihren Weg nach Myanmar gefunden
  • Die Menschen haben die neusten Handys, aber noch kein Mobilfunknetz, was außerhalb der Großstädte funktioniert. Jede Stadt soll einen Internetanschluss bekommen, aber selbst in Mandalay fällt der Strom quasi täglich für Stunden aus.
  • Die Stellung der Frau in Myanmar ist sehr hoch. Der Mann hat immer Vorrang, da Buddha zuerst als Mann wiedergeboren wurde, dennoch hat die Frau viele Freiheiten. In der Ehe ist sie oft diejenige die über die Finanzen bestimmt (deshalb bekommt Andrea vielleicht auch immer die Rechnung in Restaurants). An Universitäten ist die Anzahl an weiblichen Studenten deutlich höher. Frauen sind in Berufen wie Lehrer, Arzt oder Regierungsangestellt angesehen. Wir haben auch noch nie so viele Frauen auf Motorädern gesehen.
  • Kinder sind in Myanmar kleine Juwele. Ob Mädchen oder Junge man freut sich gleichermaßen über beide. Obwohl die Jungs oft schrecklich verhätschelt werden. Von Mädchen erwartet man Fleiß und Disziplin.
  • Schwule und Lesben werden toleriert (abgesehen von den christlichen und muslimischen Minderheiten). Man bemerkt mehr hochgezogene Augenbrauen, wenn eine einheimische Frau mit einem Ausländer in der Stadt umhergeht, als bei zwei gleichgeschlechtlichen Reisenden, die sich einen Raum teilen. Allgemein ist es unangebracht, Zärtlichkeit untereinander in der Öffentlichkeit auszutauschen. Da interessiert es nicht, ob man hetero- oder homosexuell ist.
  • Myanmar ist immer noch der einzige Staat in Südostasien, in dem die traditionelle Kleidung getragen wird (z.B. der Longyi – ein Rock für Männer)
  • Es wird gespuckt und gerotzt was das Zeug hält, aber es ist verpönt, den Kopf eines anderen anzufassen
  • Diebstahl: das einzige Mal, dass man einen Burmesen mit deinem eigenen Geld rennen sieht, ist, wenn man es auf der Straße fallen lässt und er es wieder zurück bringt
  • Yangon zählt zum Beispiel zu einer der sichersten Großstädte in Südostasien. Die Chance hier überfallen zu werden, ist so gering, dass man eher in einen von den großen Löchern in den Gehwegen verschwindet. Also statt nachts Pfefferspray mitzunehmen, ist es sinnvoller, eine Taschenlampe bei sich zu haben
  • Der Staat verhängt hohe Strafen allein für kleinere Vergehen wie Diebstahl, vor allem wenn man es bei einem Touristen tut

On-the-Road:

  • Das einzige englische Zeichen am Zugticketverkauf ist „Warmly welcome and take care of tourists“. Man hat keine Ahnung an welchen Schalter man gehen soll – denn man kann die Schrift ja nicht lesen – aber man fühlt sich zumindest willkommen
  • Es gibt keine Motoräder in Yangon – nach einem Motorrad-Zusammenprall verfasste ein Militärführer ein Verbot der dortigen 2-rädrigen Transportmittel
  • Busreisen sind wohl die bequemste Art zu Reisen – wenn man von den lautstark Karaoke singenden Einheimischen während der Fahrt absieht

Natur & Umwelt:

  • 75 % aller Teakholz-Vorräte (Edelholz) liegen in Myanmar, diese werden jedoch fleißig abgeholzt
  • 1/3 des Gesamtvorkommens der asiatischen Elefanten leben hier (5.000 wilde Elefanten, dazu kommen ca. 4.000 als Nutztiere domestizierte )
  • In unberührten Teilen des Landes wurden ab dem Jahr 2000 eine Vielzahl von Spezies gefunden, die entweder ausgestorben schienen oder es wurden sogar komplett neue Arten entdeckt. Darunter zum Beispiel das wahrscheinlich kleinste Säugetier der Welt – die „bumblebee bat“ bzw. „Hummelfledermaus“. Durch die eigene Abschottung war es ausländischen Forschern bisher nicht möglich, Erkenntnisse zur Flora & Fauna des Landes zu sammeln
  • Trotz hohem Artenreichtum verliert Myanmar dennoch immer mehr Tierarten aufgrund eines mangelnden staatlich überwachten Umweltstandards

Religion & Aberglaube:

  • Myanmar trägt den Beinamen „Goldenes Land“: ein Grund ist die schier unendliche Anzahl an mit Gold überzogener Pagoden
  • Der Buddhismus ist die vorherrschende Religion, die aber in Myanmar mit einer kräftigen Portion Aberglaube, Astrologie und Wahrsagerei gesalzen ist. Die Menschen hier sind die abergläubigsten auf der ganzen Welt.
  • Eine Besonderheit des burmesischen Volksglaubens stellt die Verwobenheit mit der Astrologie dar. Bei jeder Pagode finden wir Stellen, die die 8 ! Wochentage darstellen; am Mittwoch werden 2 Wochentage gezählt. Den Wochentagen werden jeweils Himmelsrichtungen, ein Planet, ein Tier und ein Buchstabe zugeordnet. Bei der Wahl des Vornamens wird dieser Buchstabe als Anfangsbuchstabe des Namens gewählt, so dass jeder sofort weiß, dieser Mensch ist an diesem Wochentag geboren. Das Geschlecht ist am Vornamen nicht erkennbar. Dafür gibt es die Titel U und Daw.
  • An dem Wochentag an dem Aung Sang Suu Kyi geboren wurde, hat das Regime in der größten Pagode in Yangon eine Überwachungskamera anbringen lassen.

2 Antworten zu Interessante Fakten über das „Goldene Land“

  1. Edeltraud Keller schreibt:

    Ihr Kommentar hat mir sehr gut gefallen. Bin ja gespannt, am 11. Februar 2014 fliegen wir nach Myanmar. Wir haben eine Rundreise auf privater Basis geplant und sind zwei ältere, aber jung gebliebene Damen. Wir werden an Sie denken und uns nach der Reise wieder melden!

    • Iddy Squirrel schreibt:

      Sehr geehrte Frau Keller,
      wir freuen uns sehr darüber, dass auch Außenstehende unsere Blogeinträge lesen und Gefallen daran finden. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Reise in eines unserer liebsten Reiseländer. Sollten Sie Fragen haben oder Empfehlungen benötigen, können sie uns gerne kontaktieren.

      Mit freundlichen Grüßen

      Iddy und seine Gefährten

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