Yangon

Im Flieger nach Myanmar fragte ich mich wirklich, was wir uns zu Hölle dabei gedacht haben, nach Myanmar fliegen zu wollen. Bis vor ein paar Monaten gab es Ausschreitungen und noch heute wird das Land von einem fragwürdigen Militärregime geführt. Vielleicht haben wir es dieses Mal mit unserer Reiseneugier übertrieben. Ich hatte das flaue Gefühl im Bauch, dass wir zum ersten Mal einen Fehler begehen. Da halfen die Turbulenzen nicht gerade ruhig zu bleiben…

Am Flughafen angekommen, schauten wir uns nervös in die Augen, und beschlossen stumm, dass wir das schon überstehen werden. Was in der nächstens Stunde geschah, sollte uns lehren, dass wir immer noch mit Vorurteilen beladene Deutsche sind. Unser „Visa-on-arrival“ lag schon im Büro der zuständigen Behörde bereit, wurde langsam aber stetig bearbeitet und uns ohne Probleme ausgehändigt. Der Stempel im Pass war reine Formsache und gleich wartete eine nette Frau mit unseren Namen auf einem Schild auf uns, die fragte, ob alles gut verlaufen ist. Über die freundliche Art freuten wir uns und sie wünschte uns einen schönen Urlaub, als wir ihr bestätigten, dass alles gut wäre. Etwas Geld gewechselt, ein letztes Mal durch eine Kontrolle und schwupp waren wir ganz entspannt in Myanmar angekommen. Nun wartete die nächste Person mit unseren Namen auf uns. Ein Fahrer vom Hotel holte uns kostenlos ab, das wär Service vom Hotel. Bitte denkt jetzt nicht, dass wir in einem teuren Hotel nächtigten, eine Nacht kostete uns nicht mehr als 15 Euro (für uns beide zusammen). Einfach eine nette Geste, die sich verdammt nach Luxus anfühlte. Und so schwebten wir in das Land mit den goldenen Pagoden. Im Hotel begrüßten uns freundliche Frauen mit goldenem Make-up auf den Wangen, das sogenannte Tanaka. Die Männer trugen alle Röcke, die traditionelle Kleidung in Myanmar, und spätestens jetzt kam ich mir so albern vor, weil ich auch nur eine Minute an diesem Land und seinen Menschen gezweifelt hatte.

In Yangon (früher Rangoon) selbst ließen wir es langsam angehen. Wir machten uns in der Abenddämmerung auf zur Shwedagon Pagode. Eine goldene Perle im grünen Yangon und zugleich Gebetsort der Buddhisten. Es ist einfach ein Erlebnis, sich eine ruhige Ecke auszusuchen und die Menschen zu beobachten. Ein Kino in Echtformat. Man begreift kaum, was alles um sich herum geschieht. Überall knien die Menschen und beten, Frauen tragen Blumen als Opfergaben mit sich und Mönche schweben mit kaminroten Umhängen an uns vorbei. Das Gold hat uns längst in seinen Bann gezogen und wir fühlen uns in einer anderen Welt. Fern von einem Militärregime oder Ausschreitungen.

Bei einem Stadtbummel, der aufgrund der vielen Löcher, einem Slalomparcour glich, konnten wir mehr von dem früheren Glanz der Stadt erahnen. Vor 60 Jahren muss das eine der schönsten Städte der Welt gewesen sein. Zumindest macht es den Eindruck. Was geblieben ist, sind die strahlenden Menschen in ihren Röcken. Vielleicht wissen wir es jetzt noch nicht, aber wir haben uns in Myanmar verliebt. Wir fühlen uns einfach wohl und sicher. Denn wie schon mal erwähnten, die Chance in Yangon überfallen zu werden, ist gleich null. Wer dort war weiß, dass es stimmt. Das der ein oder andere Tourist verschwunden ist, liegt einzig an den Löchern auf den Gehwegen.

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Eine kleine Anekdote zur Shwedagon Pagode:
In Myanmar gibt es einen ganz speziellen Buddhismus. Man hat einfach Astrologie mit den Buddhismus gekreuzt. So kommen die Leute in eine Pagode, um am jeweiligen Altar, der in der Himmelrichtung steht, zu beten, die ihrem Geburtswochentag entsprechen. Sie schlagen mehrmals an eine Glocke, verehren die entsprechende Figurengruppe durch Räucherkerzen und Gebete oder schütten über eine zugeordnete Buddhastatue so viel Wasserbecher wie sie Lebensjahre zählen. Auch glauben sie, dass der Geburtswochentag den Charakter eines Menschen bestimmt. Die Tiere weisen auf die gegenseitige Verträglichkeit von Personen hin. Tja als Montagskind bin ich ein stolzer Tiger, Sven hingegen hat es nicht so gut getroffen: er ist ein Ratte. Ich habe es immer gewusst.

Andrea

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