Autofahren in Thailand

Autofahren in Thailand, das ist Chaos pur. Verkehrsregeln, ach wer brauch sowas schon? Gegenseitige Rücksichtnahme ist ein Fremdwort – wer drängelt, der gewinnt. Undurchsichtige Straßenführung, gefährliche Kehrtwendungen auf dem Mittelstreifen, beidseitige Überholmanöver – Thailand ist beileibe kein Paradies für Autofahrer. Umso erstaunlicher ist es daher, dass es kaum sichtliche Beschädigungen der Autos gibt. In Südamerika galten Kratzer und Beulen anscheinend wie Narben am Körper des Menschen als Zeichen dafür, dass man gelebt hat. Nun kann man jenes natürlich auch von den thailändischen Autos sagen, die täglich einen Heer aus Mofas ausweichen müssen (bzw. umgekehrt) und sich dabei elegant durch den Straßenverkehr schlängeln müssen. Apropos Mofas: des Thailänder liebstes Gut. Wie kleine Ameisen bevölkern sie die Straßen des Landes. Unglaublich mit welcher Ruhe und Gelassenheit die Zweiräder durch das Stadtgetümmel geführt werden. Da wundert es auch niemanden sonderlich, dass einem manchmal mitten auf der Straße ein mehrtonniger Dickhäuter entgegen kommt.

Ein ganz besonderer Hingucker auf Thailands Straßen sind die beladenen Lkw’s, deren nach oben wie zur Seite anscheinend keine Grenzen gesetzt sind. Riesige Strohballen, hunderte von Ananas, landwirtschaftlich genutzte Pflugfahrzeuge oder Menschen in Hängematten und Sesseln; alles was man sich vorstellen kann, findet man auf den Ladeflächen der Transporter – und mehr. Da mag es kaum verwundern, wenn man eines Tages auf der Schnellstraße einen Lkw voll beladen mit ungekochten Eiern vor sich sieht – und wir reden hier nicht von ein paar Packungen, sonder von einer Ladung von gut 4m x 2m x 1,5m. Und das ganze mit offener Ladefläche. Ob die Lieferanten eine bestimmte Schadensquote in ihrem Vertrag, falls es solch einen überhaupt gibt, vermerkt haben?

Tja, unabhängig davon, waren wir Teil des ganzen Chaos. Meine Eltern hatten nämlich beschlossen, ein Auto zu mieten, um damit das Land zu erkunden. Gut, kein Problem, dachte ich mir, durch Bangkok müssen wir ja nicht fahren und mit meinem Vater könnte ich mich ja regelmäßig abwechseln. Ja, ja der Konjunktiv… Was ich an dieser Stelle vergessen habe zu erzählen, in Thailand herrschen nicht nur verrückte Bedingungen, sondern auch Linksverkehr. Zudem war mein Vater im Urlaub, und das bedeutet natürlich Erholung und nicht, sich mit verrückten Straßenverkehr, unverständlichen Straßenschildern und veränderter Straßenführung auseinander zu setzen.

Nun gut, Linksverkehr war ich mittlerweile gewohnt und so blieb es an mir haften, uns mit kurzer Ausnahme über 2000km durch das undurchsichtige Gewirr von Thailands Straßen zu führen. Eigentlich lief es besser als gedacht, aber als uns auf dem Rückweg von Ko Chang in der Nähe von Bangkok der Sprit ausging und wir die Autobahn verlassen mussten, um eine Tankstelle zu finden, da wusste ich, jetzt bist du in der Höhle des Löwen angelangt. Vier- bis fünfspurige Straßen voll mit Autos und du musst von ganz rechts nach ganz links wechseln – keine Chance. Nichts da mit Blinker setzen und kurz warten bis dich jemand rein lässt. Da kommst du in Jahren nicht an. Selbst in den Vororten der Millionenmetrople heißt es Ellenbogen zeigen. Nur der Starke hat hier eine Chance, also wird sich reingeschoben und gehofft, dass die anderen irgendwann einsehen: wir haben es hier mit einem Alpha-Tier zu tun. Nach dieser Erfahrung war mir klar, jetzt schaffst du alles. Und an dieser Stelle muss ich dann auch sagen, dass es außerhalb des urbanen Thailand auch deutlich gesitteter zugeht. Dennoch sollte man nicht vergessen, laut einheimischer Rechtssprechung bekommt der Ausländer meist die Schuld bei Unfällen, da er ja (so die Theorie) der wohlhabendere sei. Ob das auch bei mir so gewertet worden wäre…

Sven

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