Russisches Visa-Chaos in Bangkok

Unsere letzte Station auf unserer Reise bereitet uns schon seit einigen Monaten regelrechte Kopfschmerzen. Als wir uns entschieden, die Transsibirische Eisenbahn zu nehmen, hätten wir wohl nicht gedacht, dass das dazu benötigte Russlandvisum uns noch den letzten Nerv rauben wird.  Sicherlich werden sich jetzt einige fragen, was denn daran so schwer sein kann. Tja, wenn Russland etwas kann, dann ist es gemeine Visumsregeln aufzustellen. Wenn man ein Problem gelöst hat, folgte meist das nächste auf dem Fuße.

Regel Nr. 1: Man kann ein Russlandvisum nur im eigenen Land beantragen, es sei denn man hat eine Aufenthaltsgenehmigung von über 90 Tagen in einem anderen Land.
Lösung Nr. 1: Super, dann könnten wir das ja in Neuseeland erledigen.

Regel Nr. 2, die Lösung Nr. 1 zu Nichte macht: Man kann das Visum erst drei Monate im Voraus beantragen.
Lösung Nr. 2: Gut holen wir uns ein über 90 Tages Visum in Asien.

Tolle Idee, so schrieben wir jede mögliche Botschaft an, uns entweder ein Russlandvisum zu geben, oder wenigstens eine Aufenthaltsgenehmigung über 90 Tage. Die Antworten waren niederschmetternd. Entweder wir finden einen Job in einem asiatischen Land, oder Pustekuchen. Nur leider kann man keiner Firma erklären, dass man vielleicht einen Monat dort arbeiten könnte, aber gern ein Visum über 90 Tage hätte. Zumal ich mit meiner Schwangerschaft auch nicht gerade für mich werbe.

Regel Nr.3: Man kann das Visum nur persönlich in einer Botschaft erwerben.
Lösung Nr. 3: Es gibt spezielle Agenturen, die für unheimlich viel Geld und eine Vollmacht das gerne für dich übernehmen. Somit würden wir einfach etwas schummeln, was unseren Aufenthalt in Deutschland anginge.

Gut aber wie kommen unsere Pässe nach Deutschland. Der postale Weg war uns zu riskant und in einem Zeitfenster von 3o Tagen (längere Visa in Asien sind schwierig zu bekommen) schwer durchzusetzen. Dann fanden wir heraus, dass Eltern einer sehr guten Studienfreundin, nennen wir sie die Manias, in Thailand Urlaub machen würden und am 31.07. zurück nach Hause fliegen würden. Am 10.08. würden sich Svens Eltern zu unserem Treffen, ebenfalls in Thailand, aufmachen. Gleiches Land (für jeden Grenzübergang bräuchten wir ja unseren Pass) und ein Zeitfenster von reell 9 Tagen. Knapp, aber wenn alles klappt, zumindest möglich.

So sollte unser Plan und somit auch die letzte und einzige Hoffnung unser Russlandvisum zu bekommen also aussehen. So flogen wir nach Bangkok, trafen die etwas verwirrten Manias und gaben ihnen nach einem wunderschönen Tag in Bangkok voller Hoffnung unsere Pässe mit. Am nächsten Tag, einem Donnerstag, sollten diese dann auf dem Weg zur Agentur sein. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen. Als wir am Dienstag noch nichts von unserer Visumsagentur gehört hatten, fragten wir vorsichtig nach, ob denn alles in Ordnung sei. Als man uns sagte, dass die Pässe nicht angekommen wären, rutschten uns nicht nur unsere Herzen in unsere Höschen. Unser perfekter Plan sollte wirklich an dem deutschen Postsystem scheitern?!? Das konnte nicht sein. Wir mussten die Postverfolgungsnummer von den Manias herausbekommen. Leider war Mama Mania, die einzige, die diese kannte, aus gesundheitlichen Gründen nicht erreichbar. Erst am Donnerstag bekamen wir die Nummer und stellten fest, dass der Brief schon vor sechs Tagen in der Agentur eingegangen war.Das konnte nicht sein: trotz Einschreiben in den Stapeln der Visaagentur verschollen. Ganz plötzlich lenkte die Agentur ein und versprach uns, dass die Pässe bis Dienstag, also viel zu spät, fertig wären. Froh, dass unsere Pässe noch existierten, aber vollkommen enttäuscht, dass unsere ganze Planung um sonst war, erklärten wir der Agentur, dass sie noch genau zwei Tage Zeit hätten, weil wir sonst weiterhin ohne Pässe in Thailand sitzen würden.

Diese Nachricht muss irgendwas in ihnen ausgelöst haben, denn am Freitag bekamen wir Nachricht von Svens Eltern, dass der Chef der Visumsagentur selbst zum Botschafter gegangen ist, um einen Eilantrag durchzusetzen und jemand aus der Agentur, den Erzählungen nach war es sogar der Chef selbst, unsere Pässe persönlich nach Stendal bringen würde. So war es dann auch. Am Freitag, nur einen Tag nach Auffindung, hielten Svens Eltern unser geliebten Pässe in den Händen und standen einem völlig besorgten Kurier gegenüber. Der sah uns anscheinend schon in einem thailändischen Gefängnis wegen eines Visavergehens. So schlimm war es nicht, wir waren ja schließlich nicht in Russland, aber das kann er ja nicht wissen.

Und somit Ende gut alles gut. Glücklich bestaunten wir schließlich unsere Pässe samt Russlandvisum. Vielen Dank an alle Beteiligten – sowas machen wir nie wieder mit euch, versprochen.

Andrea

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