Hanoi

Die letzte Station unserer Südostasienreise und zugleich Hauptstadt Vietnam’s agierte mehr als Knotenpunkt für unsere Ausflüge zur Halong-Bucht und nach Mai Chau, als dass wir die Stadt wirklich erkundeten. So stand neben zahlreichen Shopping-Touren, einem letzten Schwangerschafts-Check-up in einer Klinik im Grunde nur der Besuch des Frauenmuseums auf dem Programm. Ansonsten vergingen die Tage nach Dirks Abschied wie im Fluge. Unser nettes Zimmer mit Stuck und großen weißen Säulen lud uns zum Entspannen ein und wir konnten uns nach und nach darauf einstellen, die nächste große (und letzte) Etappe unserer Reise anzugehen – Beijing und die transsibirische Eisenbahn. Und nie fiel es uns leichter, „Tschüss“ zu sagen. Es wurde einfach Zeit, sich auf dem Weg nach Hause zu machen. Aber was wäre das Leben ohne seine ständigen und unangekündigten Überraschungen?

Freudestrahlend und aufgeregt händigten wir an unserem Abreisetag die Tickets und Reisepässe für den Flug nach Beijing an das Personal unserer Airline aus. Kurze Nachfrage ihrerseits, ob wir ein Visum für China haben, wurde von uns verneint und damit begründet, dass deutsche Staatsbürger seit Anfang des Jahres zu einem visafreien 72-Stunden-Aufenthalt berechtigt seien, sofern man Weiterflug und Visum für das nächste Reiseland vorweisen kann. Beides hatten wir und so blieben wir weiterhin ruhig, als man uns eröffnete, dass man uns nicht den Flieger betreten lassen würde. Selbst nachdem man uns die Richtlinien für Deutsche auf dem Desktop des Computers zeigte, konnten wir nicht erkennen, gegen was wir hier verstoßen haben sollten. Das Problem schien hierbei zu sein, dass wir keinen Direktflug, sondern einen Transitflug über Ghangzou (ebenfalls China) gebuchte hatten. Wir gingen davon aus, dass wir wie sonst üblich, einfach zur nächsten Maschine geleitet würden und unser Gepäck vom Flughafenpersonal ins Flugzeug buchsiert werden würde. Selbst für diese Stadt hätten wir ein 72h-Visa bekommen, aber in Kombination war es anscheinend ein Ding der Unmöglichkeit… Für uns waren die beiden Verantwortlichen an Inkompetenz nicht zu überbieten. Noch am Flughafen musste ich meine sonst eher schüchterne Freundin zurückhalten, die Frau hinterm Tresen anzuspringen. Auch ihr sonst leiser Tonfall wurde erschreckend rau und laut. Nicht ganz ohne Grund. Selbst nach ausführlicher, nachträglicher Recherche konnten wir keinen Paragraphen finden, der die Einreise über einen weiteren Inlandsflughafen regelt. Im Gegenteil, in einem Forum sind wir sogar auf jemanden gestoßen, der bei exakt dem gleichen Verfahren seinen Zielflughafen in Beijing erreichte, und sogar eine Zigarette außerhalb des Flughafengeländes in Ghangzou rauchen konnte. Dabei wäre es so einfach gewesen: ein einfach Hinweis darauf, dass es sich um einen Direktflug handeln muss und wir wären all dem Ärger aus dem Weg gegangen. Manchmal scheitert es halt an einem Wort.

Uns blieb also nichts anderes übrig, als einen neuen Flug, diesmal allerdings direkt, nach Beijing für den kommenden Tag zu buchen. Nächstes Problem: wir hatten aufgrund unserer letzten Erledigungen und dem nahenden Monatsende kein Geld mehr auf dem Konto. Letzte Hoffnung war mein Vater, der mir selbstverständlich seine Kreditkarteninfos übermittelte… Nicht ohne eine weitere Einschränkung. Erst am Tag zuvor, wurden meine Eltern von ihrer Bank kontaktiert, ob sie denn einen Flug nach Australien buchen wollten, wovon sie natürlich nichts wussten. Es blieb also erst mal offen, ob die Buchung überhaupt zustande kommen würde. Schließlich kam nach bangen Minuten aber doch die Bestätigung des Flugportals: Flug nach Beijing bestätigt!!! Und diesen durften wir schlussendlich auch betreten und kamen mit einem Tag Verspätung in der chinesischen Hauptstadt an. Und wieder hieß es, Ende gut, alles gut… Die Gebrüder Grimm hätten ihre Märchen nicht aufregender schreiben können.

Sven

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