Bootstour nach Iquitos

Was bei unserer ganzen Reise durch Südamerika natürlich nicht fehlen darf, ist der sagenumwobene Amazonas. Um es spannender zu gestalten, haben wir uns die Stadt Iquitos als Ausgangspunkt ausgesucht. Was ist daran jetzt so außergewöhnlich? Es ist die weltweit größte Stadt, die nur über den Flussweg erreichbar ist und nicht über den Straßenweg (abgesehen natürlich vom Flugzeug). Damit ist Iquitos eine 400.000 Einwohner große Enklave im peruanischen Amazonasbecken. Hier sollen sich schon die ein oder anderen zwielichtigen Personen hin abgesetzt haben.

Um dort hinzugelangen mussten wir für 3 Tage eine Hängematte auf einem sicherheitstechnisch-fragwürdigen Schiff beziehen und nannten das Oberdeck unser Heim. Da das Deck etwas teuer war (ca. 25 € inkl. Verpflegung), haben sich hier auch fast nur Touristen versammelt. Dass sich die Zeiten seit der Titanic geändert haben, zeigte sich darin, dass die hier ausgeschriebene erste Klasse nicht nur ohne Rettungsboote, sondern auch ohne Rettungswesten ausgestattet war. Aber auf solche Details darf man einfach nicht achten. Wenigstens hatten die Leute im Unterdeck eine reelle Chance zu Überleben, die hatten nämlich Rettungswesten.

So, nun aber chronologisch. Eine Bootsfahrt ist nicht nur lustig, sondern fängt auch immer mit Verspätungen an. Als wir unsere Karten kauften, sagte man uns das Boot würde einen Tag später um 10 Uhr ablegen, aber wir könnten die erste Nacht schon dort schlafen, immer noch vor Anker. Wir Sparfüchse lassen uns das nicht zweimal sagen, also rauf aufs Boot und schön gemütlich in die Hängematte (=Bett) legen und am besten nicht mehr bewegen. Auf Deck trafen wir dann auf eine 16 Mann-Frau-starke Gruppe von Studenten aus Lima. Allesamt Austauschprogrammteilnehmer aus Mexiko, Spanien, Frankreich, Italien, Kanada, Polen und Deutschland. Eine nette Truppe, die es aber mit der Entspannung etwas zu ernst genommen haben. Den ein oder anderen Joint mitzunehmen, ist ja jetzt schon Teil der Mode, aber gleich 100g? Naja Jochen der eigentlich Dani hieß, aber so aussieht wie ein Kumpel von Sven, hatte es sich dann zur Aufgabe gemacht, dass alles zeitgerecht zu schaffen…

So zurück zum Thema: die Truppe war auch immer noch der festen Überzeugung am Abend loszufahren, so sagte man es ihnen. Nööp, aber auch 10 Uhr am nächsten Tag sollte es nicht werden. Letztendlich legte das Schiff 17 Uhr ab, mit 24 Stunden Verspätung. Vor Ort zählt das quasi zu einer Positivbilanz, manche Schiffe legen erst Tage nach Abmachung ab.

Als sich unser Kahn dann endlich in Bewegung gesetzt hatte, hieß es für uns 2 Tage lesen, Hängematteliegen perfektionieren, Essen fassen und starr auf den Amazonas glotzen. Für mich zwei perfekte Tage. So sollte Leben immer sein. In Wahrheit gehöre ich der Art des Fünffinger-Faultiers an. Sven konnte man da schon eher mit einem Hamster im Laufrad vergleichen. Was kann man noch sagen: das Essen war überraschend gut, die Hygiene besser als das Auswärtige Amt es angepriesen hatte, viel besser. Dafür dass etwas 150 Personen sich 4 Klo-Duschen teilen mussten, ging es sehr gesittet ab. In anderen Teilen der Welt, die ich bereits besucht habe, wäre unter diesen Umständen, der Flur bereits nach 3 Stunden zur Toilette ausgerufen worden. Und wer wie ich sich nicht mit dem braunen Amazonas-Wasser duschen wollte, hat das einfach bei einem kräftigen Regenschauer miterledigt. In der Not wird der Mensch erfinderisch. Manche bauen sich ja auch schließlich eine Regendusche für Teuer-Geld ins Bad ein, warum also nicht mal das Original nutzen.

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In Iquitos sauber angekommen, ging es gleich in der Nacht auf Dschungeltour, dazu in einem anderen Bericht mehr.

Iquitos selbst war heiß, staubig, aber irgendwie doch auf seine Art ein netter Ort. Eine Großstadt inmitten des wilden Dschungels. Vor Ort besuchten wir mit unseren Studenten auch den Markt in Belen. Ein besonderer Markt. Hier fand man all die leckeren Sachen, die man so gerne isst, wie Maden, Schildkröten, Wasserschweine und anderes Getier. Alles was nicht auf drei geflüchtet ist, wird zu Essen, Armbändern oder anderen Souvenirs verarbeitet. Komische Gebräue gegen Impotenz, Haarausfall und andere Beschwerden durften natürlich auch nicht fehlen.

Negativerlebnis: einer italienischen Studentin wurde direkt neben mir die Handtasche geklaut. Ein Schrecken: Ich hatte noch das Umhängeband in der Hand, keine Ahnung wann ich das gegriffen hatte. Mehr konnte ich aber leider nicht ausrichten. Bis Auge mit Hirn endlich kommuniziert hatte, war der Typ schon hinter der nächsten Ecke verschwunden. Belen ist leider für solche Übergriffe bekannt. Zum Glück haben nur ein Handy, 30 Euro und eine Kamera, mit 3 Bildern darauf, den Besitzer gewechselt. Es hat andere Reisende schon schlimmer getroffen.

Zu zweit haben wir dann noch eine Schmetterlingsfarm und Tierrettungsstation einer engagierten Österreicherin, sowie eine Rettungsstation für die gefährdeten Seekühe, die vor allem durch ihr ruhiges und liebenswürdiges Wesen auffallen, und einen fragwürdigen Zoo an einer Lagune besucht.

So und da wir uns den nächsten 7-tägigen Bootstripp in den Süden doch lieber sparen wollten, ging es mit dem Flugzeug Richtung Lima. Bei 72 Euro konnten selbst wir nichts mehr sagen.

Andrea

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