Vientiane

Von Bangkok ging es mit dem entspannten Schlafzug in Richtung Laos. Ein neues und unbekanntes Land sollte auf unsere Entdeckung warten. Von Laos hatten wir bisher nur Gutes gehört und wollten uns auch davon überzeugen, ob das alles stimmte. Der Grenzübergang war wohl einer der entspanntesten der ganzen Reise. Mit uns überquerten diese Grenze nur weitere 15 andere Touristen, die mit uns im Zug saßen. Außer ein paar Grenzbeamten sowie der ein oder andere Taxifahrer schien sich hier kein Mensch für uns zu interessieren. So bekamen wir ohne auch nur ein Problem unser Visa-on-arrival für Laos.

So ging es direkt weiter nach Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Mit nur ca. 240 000 Einwohnern wohl die kleinesten Hauptstadt, die wir bisher besucht haben. Kein Verkehrschaos wie in Bangkok, keine Hochhäuser wie in Singapur und kein Kulturschmelztigel wie Kuala Lumpur, in Vientane scheinen die Uhren noch anders zu ticken. Der Stress einer Hauptstadt hat einen riesigen Bogen um die durch die französische Kolonisation geprägten Stadt gemacht. Frisch gebackenes, herrlich schmeckendes Baguette, das wohl erste Brot auf unserer Reise, dass den Namen Brot auch verdient hatte, der Triumphbogen und die französischen Straßenschilder sind wohl auffälligstes Überbleibsel der französischen Besetzung. Und um ganz ehrlich zu sein, möchte ich die ollen Baguettes auch nicht mehr missen. Gut es ist kein deutsches Qualitätsbrot vom Bäcker um die Ecke, aber das ist mir gerade mal sowas von egal. Es schmeckt nicht nach Pappe, süß nach Kuchen oder hat eine Konsistenz, die man am ehesten mit Luft vergleichen kann. Nein, echtes Brot.

Wir haben inzwischen unser Gepäck auf einen Rucksack eingeschränkt. Das heißt, ich besitze noch 3 T-Shirts, 3 Hosen, 1 Kleid, 2 Pullover, 1 Jacke, 1 Schal, etwas Unterwäsche, 2 Sport-BHs und 1 Bikini, 1 Paar Flip-Flops und 1 Paar Sportschuhe, bei Sven sieht es noch weniger aus, 2 Hosen, 5 T-Shirts, ein paar Boxershorts, 1 Badehose, 1 Jacke, 1 Hemd, 1 Paar Flip-Flops und Trekkingsandalen. Das wars. Wir haben gelernt auf so viel zu verzichten und mit noch weniger als nötig auszukommen, aber man ahnt ja gar nicht, wie sehr schlechtes Brot einem auf die Seele schlagen kann. Nun endlich konnten wir wieder genießen: ein komplett belegtes Baguette für einen Euro. Laos und wir sollten einfach Freunde werden. So ließen wir uns von der entspannten Stimmung in Vientiane anstecken, besorgten in aller Ruhe unser Vietnamvisum, besuchten die ein oder andere Sehenswürdigkeit und genossen unsere Klimaanlage unseres Hotelzimmers bei sengender Mittagshitze – ja hier kann man sich ohne das Tagesbudget zu sprengen, auch mal ein Hotelzimmer leisten.

Im COPE-Center [mehr] lernten wir aber auch die Schattenseiten der laotischen Geschichte kennen. Denn während des geheimen Krieges der USA, zu Zeiten des Vietnamkrieges, wurden auch auf das unparteiische Laos Unmengen an Bomben und Minen abgeworfen. Über neun Jahre lang, alle acht Minuten fielen Bomben auf das Land der lächelnden Menschen. Noch heute sind Teile des Landes von nicht gezündeten Bomben übersät. COPE hilft Menschen, die durch nachträglich explodierte Bomben verletzt wurden, mit Prothesen, ärztlicher Behandlung und Zuspruch. Für mehr bleibt kein Geld. Hier mussten wir lernen, wie sehr die Vergangenheit die Gegenwart und Zukunft beeinflusst.

[Nachtrag Vientiane]

Das Reisen in Laos ist nicht immer eine einfache Sache. Schlechte Straßen und begrenzte Ort-zu-Ort-Verbindungen sollten unsere Planungen über den Haufen werfen. Statt in das Tal der tausend Tonkrüge zu fahren, brachte uns unsere Reise zurück nach Vientiane. Man kann fast sagen zum Glück. Denn zum einen suchte uns Sven nach Natur pur in Nong Khiaw eine unglaublich schöne Unterkunft mit Pool heraus und zum anderen erlebten wir ein Vientiane der anderen bzw. der untouristischen Art. Bei einem eher ungeplanten Stadtausflug, entdeckten wir erst eine nette Bäckerei mit schmackhaften Backwaren, und schlenderten dann durch die französisch geprägte Innenstadt mit Präsidentenpalast und unzähligen Klöstern und Tempeln. Pünktlich zum Sonnenuntergang, der den Mekong und die Stadt in ein unwirkliches Rot tauchte, fanden wir uns an der Strandpromenade wieder. Anscheinend ist das der Treffpunkt für alle sportbegeisterten Laoten. Es wurde gejoggt, Fußball gespielt und es gab sogar Bühnen mit Trainern, die für hunderte Frauen und Männer, ihr Bauch-Beine-Po-Programm zeigten. Die ganze Stadt schien hier Sport zu machen. Uns bot sich ein Bild, das unwirklicher nicht sein konnte. Vielleicht ist das eine gewagte These, aber Sozialismus scheint auch irgendwie immer mit Sportbegeisterung der Massen einherzugehen. Wer kein Sport treiben wollte, konnte am nahegelegenen Markt shoppen gehen. Ein wirklich gelungener Stadtbummel.

Andrea

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